Rallye Schweden.

11. bis 14. Februar 2016.


Aktuelle Reportagen, exklusive Hintergrundberichte, Interviews, spektakuläre Fotos – einfach alles zur Rallye Schweden 2016. Hier sind Sie immer auf dem neuesten Stand.

Sonntag, 14.02.2016


Der Weltmeister siegt im Hohen Norden und enteilt in der Gesamtwertung. Die Schnee-Rallye war kurz, hatte es aber in sich. Das Video.


Die besten Bilder des Tages (20).


Kurz und schmerzlos – Ogier siegt im Hohen Norden.

 

Dritter Sieg in Schweden, optimale Punkteausbeute nach zwei WM-Läufen – und das bei nicht gerade einfachen Bedingungen. Sébastien Ogier hat in Schweden einmal mehr bewiesen, warum er drei WM-Titel sein Eigen nennen darf. In weltmeisterlicher Manier trotzte der Franzose dem Nachteil, bei den meisten Stages als Erster auf die Strecke gehen zu müssen, hielt die Konkurrenz über die gesamten drei Tage in Schach und sicherte sich zudem am Sonntag auch noch drei Bonuspunkte durch den Sieg auf der Powerstage.

 

Den Grundstein für den Sieg hatte der amtierende Weltmeister bereits am Freitag gelegt. Bis zum Ende des ersten Wertungstages hatte er ein Polster von knapp 27 Sekunden zwischen sich und seinen ärgsten Verfolger, Hayden Paddon (Hyundai), gebracht. Der Neuseeländer ließ sich aber nur schwer abschütteln. Im Gegenteil: Am zweiten Wertungstag übte Paddon enormen Druck aus und verkürzte den Abstand zwischenzeitlich auf weniger als zehn Sekunden. Unbeeindruckt davon aber behielt Ogier einen kühlen Kopf, baute in der Folge seinen Vorsprung wieder aus und ging als Führender in den Schlusstag.

 

Neben dem packenden Kampf um die Spitze war das zweite bestimmende Thema in Schweden das Wetter. Ganze neun Wertungsprüfungen fielen den ungewöhnlich milden Witterungsbedingungen in der schwedischen Provinz Värmland zum Opfer. Bereits vor der Rallye stand schon fest: Acht Wertungsprüfungen fallen aus dem Programm, kurzfristig wurde auch die 20. und vorletzte Stage abgesagt. Einzig die Powerstage stand also am dritten und abschließenden Tag noch auf der Agenda. Und auch hier behielt Ogier einen kühlen Kopf. Den Vorsprung verwalten? Nicht mit dem Weltmeister! Wie schon in Monte Carlo kam das für den Weltmeister auch in Schweden nicht in Frage. Den Gesamtsieg vor Augen, ging der Franzose als Letzter auf die Strecke, gab der Konkurrenz noch die eine oder andere Sekunde mit und holte sich die drei Bonuspunkte.

 

Während Sébastien Ogier also mit der Optimalausbeute von 56 Punkten nach Mexiko reist, kann es aus Sicht von Jari-Matti Latvala eigentlich nur besser werden. Zwar bewies der Finne in Schweden einmal mehr, dass er zu den schnellsten Fahrern in der WRC gehört, das Glück aber scheint dem Vizeweltmeister abhandengekommen zu sein. Nur wenige Meter war die Rallye Schweden alt, als sie für Latvala gelaufen war: Auf der ersten Stage brach die Antriebswelle des World Rally Car, die folgenden beiden Tage absolvierte er unter Rally2-Bedingungen. Auch auf der Powerstage fehlte es dem Finnen an Fortune. Als Erster musste er auf die Strecke gehen und fungierte bei schneebedeckter Straße als Kehrmaschine für die Nachfolgenden. Extra-Punkte blieben ihm also auch verwehrt. Keine Frage, von der Rallye Schweden hatte sich Latvala im Vorfeld mehr erhofft, umso motivierter dürfte er nun in Mexiko an den Start gehen.

 

Auch der Dritte im Volkswagen Bunde, Andreas Mikkelsen, hatte sich mehr für Schweden vorgenommen, verpasste am Ende knapp einen Podestplatz und beendete seine Heimrallye auf dem vierten Rang. Immerhin auf der Powerstage meldete er sich eindrucksvoll zurück und belegte hinter Ogier den zweiten Rang. Somit reist der Norweger als WM-Zweiter nach Mexiko.


Stimmen aus dem Volkswagen Team

„Ich liebe diese Rallye einfach.

 

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1
„Ein unglaubliches Gefühl, wieder in Schweden zu gewinnen. Ich liebe diese Rallye einfach. Die Bedingungen waren am Anfang der Woche nach dem Tauwetter und dem vielen Regen alles andere als ideal. Umso schöner ist es, dass wir am Ende eine wirklich gute und winterliche Rallye Schweden vorgefunden haben. Gestern mussten wir das wohl größte Risiko unserer Karriere eingehen, um zu gewinnen. Das hat sich ausgezahlt. Ich bin einfach nur glücklich.“
 

Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2
„Mein zweites Heimspiel, die Rallye Schweden, lief natürlich überhaupt nicht nach meinen Vorstellungen. Es ist immer bitter, wenn ein Wettbewerb sportlich so früh vorbei ist. Dennoch ist es wichtig, dem Wochenende auch positive Aspekte abzugewinnen. Das Auto fühlte sich super an, wir waren absolut wettbewerbsfähig und das haben wir auf einigen Prüfungen mit Bestzeiten bewiesen. Leider musste ich auf der abschließenden Powerstage als Erster auf die Strecke und hatte somit keine echte Chance mehr auf Punkte. Für den nächsten Lauf in Mexiko haben wir eine gute Startposition und die gilt es jetzt zu nutzen. Hoffentlich spielen die Bedingungen mit und gegen etwas mehr Glück als bei den ersten beiden Läufen der Saison hätte ich auch nichts einzuwenden.“

 

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9
„Platz vier ist natürlich nicht das, was wir uns für die Rallye Schweden vorgenommen hatten. Ganz klar: Wir wollten um den Sieg kämpfen. Dazu mussten wir aber wegen der speziellen Bedingungen von Beginn an volle Attacke fahren – und haben uns am Ende zu viele Fehler erlaubt. Daraus werden wir für die Zukunft natürlich lernen. Auf der Powerstage heute habe ich nochmal alles gegeben und zwei Zusatzpunkte geholt. Alles in allem haben wir das Beste aus der Situation gemacht.“

 

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor

„Viermal die Rallye Schweden gewonnen zu haben, ist eine großartige Leistung des gesamten Teams, vor allem aber von Sébastien Ogier und Julien Ingrassia. Denn bei den diesmal wegen des Wetters ganz speziellen Bedingungen hat es eine gleichermaßen angriffslustige wie fehlerfreie Leistung gebraucht, um zu siegen. Davor ziehe ich meinen Hut. Dass 100 Prozent Vollgas nicht zwangsläufig den entsprechenden Erfolg haben, kann man an Andreas Mikkelsen und Anders Jæger sehen. Sie haben wie ihre Teamkollegen alles gegeben, aber kleinere Fehler haben den Unterschied zwischen Sieg und Platz vier gemacht. Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila wurde früh die Chance genommen, mit um den Sieg zu kämpfen, aber trotz der Rückschläge zu Beginn haben sie eine gute Leistung gezeigt. Wir sind auf jeden Fall zufrieden mit den Leistungen unserer Fahrer und des gesamten Teams.“


Endstand nach 12 Wertungsprüfungen

Position Fahrer / Beifahrer Zeit / Abstand
1 S. Ogier / J. Ingrassia 1:59.47,4 Std.
2 H. Paddon / J. Kennard +29,8 Sek.
3 M. Østberg / O. Fløene +55,6 Sek.
4 A. Mikkelsen / A. Jæger +1.10,8 Min.
5 O. Tänak / R. Mõlder +1.50,7 Min.
6 D. Sordo / M. Martí +2.24,0 Min.
7 H. Solberg / I. Minor +2.40,0 Min.
8 C. Breen / S. Martin +2.44,6 Min.
9 E. Evans / C. Parry +5.17,0 Min.
10 T. Suninen / M. Markkula +5.31,6 Min.

Zahl des Tages.

226,48

 

Wegen des warmen Wetters in Schweden und anhaltendem Tauwetter vor dem zweiten WM-Lauf des Jahres sahen sich die Veranstalter gezwungen, neun von 21 Wertungsprüfungen abzusagen. Die Distanz der Prüfungskilometer verkürzte sich damit auf 226,48 km – damit bildete die Rallye Schweden 2016 die kürzeste WM-Rallye aller Zeiten. Bisher stellten die Rallye Frankreich 2015 mit 245,35, die Rallye Argentinien 2007 mit 248,90 und die Rallye Jordanien 2011 mit 259,56 Kilometern auf Zeit die kürzesten Wettbewerbe der Rallye-WM-Geschichte dar.


Sonntag: die Wertungsprüfungen des dritten Tages.


Samstag, 13.02.2016


Die besten Bilder des Tages (24).


Der Weltmeister hat alles unter Kontrolle.

Sébastien Ogier hat seinen Vorsprung bei der Rallye Schweden wieder auf 17,1 Sekunden ausgebaut und liegt bei nur noch einer zu fahrenden Wertungsprüfung wieder komfortabel in Führung. Zweiter ist nach wie vor der schnelle Hyundai-Pilot Hayden Paddon, der den Rückstand auf Ogier am Vormittag zwischenzeitlich auf 8,8 Sekunden hatte schrumpfen lassen.

 

Die Tatsache, dass Seb Ogier am Samstag erneut als Erster auf die Piste gehen musste, war eigentlich ein Nachteil. Denn starke Schneefälle im Tagesverlauf hatten dazu geführt, dass Unebenheiten auf der Bahn kaschiert wurden. Statt sich vorsichtig vorzutasten, fuhr Ogier aber volle Attacke und verblüffte damit die Konkurrenz. Vor allem auf der WP mit der Nummer 16, Vargåsen, Heimat des legendären 40-Meter-Sprungs Colin’s Crest. Ogier legte dort eine beeindruckende Bestzeit hin und sorgte dabei für eine spektakuläre Szene. Bei voller Fahrt brach das Heck seines Polo R WRC aus und Ogier rutschte auf eine Baumgruppe zu. Er fing seinen Volkswagen aber routiniert und cool ab. „Ich habe wirklich Vollgas gegeben!“, sagte Ogier anschließend begeistert. „Bei diesen verschneiten Bedingungen hätte ich heute nicht schneller fahren können.“

 

Am Samstag war Ogier aber dennoch nicht der schnellste Volkswagen Pilot. Jari-Matti Latvala griff nach seinen Problemen am Vortag wieder in alter Frische an und gewann drei der fünf Prüfungen. „Ich versuche, in einem guten Rhythmus zu fahren, was aber bei diesen verschneiten Bedingungen alles andere als einfach ist“, sagte Jari-Matti. Andreas Mikkelsen blieb am Samstag nicht ganz fehlerfrei. Der Norweger leistete sich einen Navigationsfehler und musste sogar wenden, um auf den richtigen Weg zurückzufinden. Den Drittplatzierten Mads Østberg (Ford) einzuholen, dürfte angesichts 29,7 Sekunden Rückstand und nur noch einer verbleibenden Prüfung schwierig werden. 


Stimmen aus dem Volkswagen Team

„Dem Sieg einen großen Schritt nähergekommen!

 

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1
„Wir haben heute vom ersten bis zum letzten Meter einfach alles gegeben. Wir wussten, dass wir auf einigen Prüfungen viel Zeit verlieren würden, weil wir nach dem Schneefall über Nacht die Route eröffnen und damit den losen Schnee für die Nachfolgenden von der Strecke fegen mussten. Da wir unsere Führung natürlich bis morgen ins Ziel verteidigen wollten, ließ das keinen Platz zum Taktieren. Bis auf einen kleinen Quersteher im zweiten Durchgang von ‚Vargåsen‘ haben wir keinen Millimeter hergegeben und einen fast perfekten Tag erlebt. Morgen mit einer Führung in die abschließende Powerstage zu gehen, ist natürlich eine gute Sache. Wir sind heute unserem dritten Sieg in Schweden einen großen Schritt nähergekommen.“
 

Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2
„Ich hatte mir für heute einiges vorgenommen. Leider fing der Tag genauso schlecht an, wie der gestrige aufgehört hat. Gleich auf der ersten Wertungsprüfung haben wir uns einen Plattfuß eingefangen. Dennoch habe ich im Anschluss mit ein paar Bestzeiten den zweiten Rallye-Tag zu einem versöhnlichen Abschluss gebracht. Das war wichtig, denn nach so einem Auftakt ist der Anspruch, den man an sich selber stellt, enorm. Im Moment kann ich nur meinen Teamkollegen die Daumen drücken, dass sie für Volkswagen erfolgreich sind. Aber es werden auch für mich persönlich wieder bessere Zeiten kommen.“

 

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9
„Ich wusste, dass ich angesichts unserer frühen Startposition den ganzen Tag attackieren musste, um noch um ein Podiumsresultat zu kämpfen. Unsere Zeiten zu Beginn des Tages waren richtig gut. Doch auf der Prüfung ‚Rämmen‘ war an einer Stelle unser Aufschrieb etwas zu optimistisch. Wir sind von der Strecke in einen Graben gerutscht, mussten wenden und haben entsprechend viel Zeit verloren. Die Situation hatte sich damit für uns verändert und wir haben uns darauf konzentriert, den vierten Platz zu sichern. Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, um den Sieg zu kämpfen – aber wir haben alles in allem zu viele Fehler gemacht.“

 

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor

„Ein hochspannender Tag bei der Rallye Schweden, bei dem das Ergebnis für Volkswagen am Ende stimmt – und mit dem Schneefall über Nacht präsentiert sich Schweden auch wieder als Winter-Rallye. Sébastien Ogier und Julien Ingrassia haben heute ihr Herz in beide Hände genommen und den Nachteil, die Route als WM-Führende eröffnen zu müssen, mit einer starken Leistung wettgemacht. Und auch für Andreas Mikkelsen und Anders Jæger hätte sich ihre Angriffslust noch mehr bezahlt machen können. Sie haben sich dennoch von der sechsten auf die vierte Position nach vorn gearbeitet. Auch Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila haben mit Top-Zeiten gezeigt, dass sie die Rallye Schweden zuvor nicht umsonst dreimal gewonnen haben.“


Stand nach 11 von 12 Wertungsprüfungen

Position Fahrer / Beifahrer Zeit / Abstand
1 S. Ogier / J. Ingrassia 1:52.04,7 Std.
2 H. Paddon / J. Kennard +17,1 Sek.
3 M. Østberg / O. Fløene +42,3 Sek.
4 A. Mikkelsen / A. Jæger +1.07,4 Min.
5 O. Tänak / R. Mõlder +1.31,6 Min.
6 D. Sordo / M. Martí +1.56,3 Min.
7 H. Solberg / I. Minor +2.17,2 Min.
8 C. Breen / S. Martin +2.20,8 Min.
9 E. Evans / C. Parry +4.44,7 Min.
10 P. Tidemand / J. Andersson +5.02,6 Min.

Zahl des Tages.

95

 

Auf dem Rallye-WM-Klassiker „Vargåsen“ mit dem legendären Sprung „Colin’s Crest“ waren Sébastien Ogier, Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen beim zweiten Durchgang die Schnellsten. Es war die 95. Wertungsprüfung in der Geschichte des Polo R WRC, in der die drei Bestzeiten geschlossen an Volkswagen gingen. Insgesamt schlagen für das World Rally Car aus Wolfsburg 522 Bestzeiten in 744 Wertungsprüfungen zu Buche.


Mittagsbericht

Der Vorsprung schmilzt.

 

Es schmilzt etwas bei der Rallye Schweden. Allerdings nicht der Schnee, denn der ist über Nacht noch einmal mehr geworden. Die Wälder rund um Hagfors sehen nun wieder so aus, wie man sie für gewöhnlich kennt. Verschneit und friedlich. Was tatsächlich schmilzt, ist der Vorsprung, den Volkswagen Pilot Sébastien Ogier gegenüber seinem ärgsten Widersacher Hayden Paddon (Hyundai) hat. Mittlerweile beträgt er in der Gesamtwertung nur noch 8,8 Sekunden.

 

Ogier musste auch am Samstagmorgen als erster Pilot auf die Strecke. Zwei Wertungsprüfungen standen am Vormittag auf dem Programm. Der Franzose musste seinen Polo R WRC über eine geschlossene Schneedecke manövrieren. Unebenheiten oder gar Steine waren verdeckt wie Rosinen auf einem Kuchen mit Puderzucker. Auch die Begrenzungen der Fahrbahn waren nur zu erahnen. Doch Ogier ließ das relativ kalt. Er knallte auf der Fredriksberg-Prüfung eine Fabelzeit hin und gewann die Stage. Alle anderen konnten nur staunen. 

 

„Ogier hat wirklich alles gegeben, jeden Meter der Strecke ausgenutzt!“, sagte der momentan Viertplatzierte Mikkelsen sichtlich beeindruckt. Andreas war als Zweiter auf die Piste gegangen und konnte daher die Spuren Ogiers im Schnee sehen. Offenbar wäre für Ogier aber noch deutlich mehr drin gewesen. „Ich habe ein bisschen Zeit liegen gelassen“, sagte Ogier ganz trocken. Wahnsinn. Mit dieser coolen Art sollte er doch eigentlich die Attacken von Paddon abwehren können.

 

Pechvogel ist bei der Rallye Schweden weiterhin Jari-Matti Latvala. Am Freitag hatte er erst mit technischen Problemen zu kämpfen und beschädigte sich später die Aufhängung seines Polo R WRC. Am Samstag ging es dann ähnlich frustrierend weiter. Auf der Fredriksberg-Prüfung ereilte den Finnen ein Reifenschaden und er verlor erneut Zeit. Immerhin: Auf der Vargåsen-Prüfung fuhr Latvala eine beeindruckende Bestzeit und landete damit zumindest einen Achtungserfolg.

 


Stand nach WP 12:

 

1. Sébastien Ogier (Polo R WRC #1) 1:26.28,5 Std.

2. Hayden Paddon (Hyundai) +8,8 Sek.

3. Mads Østberg (Ford) +28,1 Sek.

4. Andreas Mikkelsen (Polo R WRC #9) +38,1 Sek.

5. Ott Tänak (Ford) +57,9 Sek. 


Samstag: die Wertungsprüfungen des zweiten Tages.


Freitag, 12.02.2016


Die besten Bilder des Tages (13).


Ogier bleibt vorne – spannender Kampf um Platz zwei.

 

Sébastien Ogier stellt bei der Rallye Schweden weiterhin seine ganze fahrerische Klasse unter Beweis. Obwohl die Bedingungen alles andere als einfach sind und Ogier am Vormittag kurzzeitig neben die Strecke rutschte, führt der Franzose im Polo R WRC überlegen die Gesamtwertung an. 26,9 Sekunden trennen ihn und den Zweitplatzierten Hayden Paddon (Hyundai) nach dem ersten Tag. Was gestern noch kaum jemand für möglich gehalten hätte: Am Freitagnachmittag behinderte Schnee die Fahrt der WRC-Piloten durch Värmland und das angrenzende Norwegen.

 

„Der Nachmittag war alles andere als einfach“, sagte Ogier nach Tag eins. „Ich wusste, dass ich bei der zweiten Durchfahrt der Wertungsprüfungen noch Zeit liegen lassen würde. Der Schnee machte die Sache aber noch deutlich anspruchsvoller.“ Ogier musste am Freitag als Erster starten, eine dünne Schicht aus Neuschnee machte die Piste deutlich glatter. Der Untergrund auf den ohnehin schon schwierig zu befahrenden Prüfungen wurde am Vormittag durch die WRC- und WRC2-Autos zudem weiter in Mitleidenschaft gezogen. Einige Fahrer rutschten von der Ideallinie und beschädigten sich das Auto. Darunter unter anderem Kris Meeke im Citroën, der zwischenzeitlich an zweiter Stelle der Gesamtwertung gelegen hatte.

 

Doppeltes Pech hatte Jari-Matti Latvala. Auf der ersten Prüfung am Morgen streikte die Antriebswelle am linken Vorderrad seines Polo R WRC. Fortan musste der Finne mit Heckantrieb angreifen. Er fiel in der Folge weit zurück und beschädigte sich auf der letzten Prüfung des Tages seinen Polo R WRC.

 

Andreas Mikkelsen blieb am Freitag nicht fehlerfrei, liegt aber nach sechs von voraussichtlich 13 Wertungsprüfungen auf dem sechsten Rang. „Ich bin ein bisschen auf Nummer sicher gegangen, habe aber ein paar kleinere Fehler gemacht“, sagte Andreas. „Aber ich bin immer noch dabei, das ist das Wichtigste.“ Vor Mikkelsen ist ein heißer Kampf um Platz zwei entbrannt. Paddon auf Platz zwei und Dani Sordo (Hyundai) auf Platz fünf trennen gerade einmal fünf Sekunden. Dazwischen befinden sich Mads Østberg und Ott Tänak (beide Ford), und Mikkelsen liegt auch nur neun Sekunden zurück … 


Stimmen aus dem Volkswagen Team

„Mehr ging nicht!

 

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1
„Alles in allem ein guter Tag für uns. Die Bedingungen waren alles andere als leicht, speziell am Nachmittag, als wir als Erste auf der Strecke den frischen Schnee für die Nachfolgenden weggefegt haben. Ich habe von Beginn an alles gegeben, weil ich wusste, dass wir am Nachmittag Zeit verlieren würden. Mehr ging nicht. Am Morgen hatten wir auf der vierten Prüfung ‚Svullrya‘ viel Glück, als wir nach einer unerwarteten Wasserdurchfahrt rausgerutscht und mit dem Zeitverlust glimpflich davongekommen sind. Ein ereignisreicher Tag, aber wir sind zufrieden.“
 

Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2
„Knapp zwei Kilometer vor Ende der ersten Wertungsprüfung hatte ich nach einem Sprung einen Defekt an der Antriebswelle vorn links. Bei diesen Witterungsbedingungen nur mit Heckantrieb unterwegs zu sein, ist ein sehr schwieriges Unterfangen und ein massiver Zeitverlust unvermeidbar. Damit war die Rallye im Prinzip schon gelaufen, bevor sie richtig angefangen hatte. Auf der letzten Prüfung heute Nachmittag kam noch ein Aufhängungsschaden hinzu. Natürlich ist es deprimierend, aber als guter Sportsmann bleibt einem nichts anderes übrig, als nach vorn zu schauen und zu versuchen, beim nächsten Mal wieder anzugreifen.“

 

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9
„Heute haben wir ein paar Fehler gemacht. Und dass wir hier nicht mit an der Spitze liegen, geht voll auf meine Kappe. Der erste Fehler auf der vierten Prüfung hätte wohl jedem passieren können, der wie mein Teamkollege Sébastien Ogier und ich die Route eröffnet hätte. Nach einer unvorhersehbaren Wasserdurchfahrt sind wir neben die Strecke gerutscht und hatten Glück, dass wir auf die Strecke zurückgekommen sind. Zudem habe ich mich heute einmal gedreht, die Frontpartie des Polo beschädigt und war danach einfach zu vorsichtig unterwegs. Dennoch haben wir gute Chancen auf einen Podiumsplatz – und dafür werden wir morgen und übermorgen natürlich kämpfen.“

 

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor

„Als Erstes ein großes Kompliment an die Veranstalter. Sie haben mit einer wahren Energieleistung eine Austragung der Rallye Schweden erst möglich gemacht. Sie haben mit enormem Engagement den nicht gerade Schweden-typischen und den für diese Jahreszeit zu warmen Temperaturen getrotzt. Die Bedingungen waren aber nicht nur für die Veranstalter, sondern auch für die Fahrer und Beifahrer extrem schwierig. Nach der ‚Recce‘ wurden die Strecken geglättet, gewässert und sind über Nacht gefroren. Starker Schneefall kam heute dazu – was die Fahrer und Beifahrer erwartete, war kaum vorhersehbar. Umso besser haben sich Sébastien Ogier und Julien Ingrassia geschlagen, wenn man bedenkt, dass sie die Route eröffnet haben. Andreas Mikkelsen und Anders Jæger haben wie ihre Teamkollegen zwei Ausflüge neben die Strecke gehabt – die deutlich mehr Zeit gekostet haben. Und Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila hatten mit einer früh gebrochenen Antriebswelle und dem späteren Aufhängungsbruch einfach nur Pech. Mit dem Ergebnis dieses so schwierigen Tages sind wir allerdings trotz der kleineren Probleme zufrieden.“


Stand nach 6 von 12 Wertungsprüfungen

Position Fahrer / Beifahrer Zeit/Abstand  
1 S. Ogier / J. Ingrassia 1:03:10.6 Std.  
2 H. Paddon / J. Kennard +26,9 Sek.  
3 M. Østberg / O. Fløene +33,7 Sek.  
4 O. Tänak / R. Mõlder +34,8 Sek.  
5 D. Sordo / M. Martí +38,2 Sek.  
6 A. Mikkelsen / A. Jæger +42,0 Sek.  
7 H. Solberg / I. Minor +1:36.9 Min.  
8 C. Breen / S. Martin +1:38.8 Min.  
9 E. Camilli / N. Klinger +2:43.5 Min  
10 L. Bertelli / S. Scattolin +3:08.6 Min.  

Zahl des Tages

400 ...

... Stunden vor der „Glotze“. Der neue Beifahrer von Andreas Mikkelsen, Anders Jæger, bereitete sich in den vergangenen Jahren nämlich per Video-Studium auf das Tempo in der Rallye-WM-Topklasse WRC vor. Und zwar durchschnittlich 400 Stunden im Jahr. Zum Vergleich: Das entspricht bereits der Hälfte des mittleren Fernsehkonsums pro Jahr in seinem Heimatland Norwegen.


Mittagsbericht

Der Winter ist zurück – und Volkswagen führt.

Pünktlich zum Start der Rallye Schweden wurde es in der Region Värmland doch frostig-kalt und es fiel sogar der lang ersehnte Schnee vom Himmel. Petrus ist also doch ein Rallye-Fan. Und es gibt noch eine gute Neuigkeit, zumindest für die Volkswagen Fans: Sébastien Ogier und Andreas Mikkelsen führen nach den drei morgendlichen Wertungsprüfungen die Gesamtwertung an. Jari-Matti Latvala hatte im dritten Volkswagen Polo R WRC hingegen schon auf der ersten Stage großes Pech. Vorne links brach die Antriebswelle. Sein Allrad-Polo wurde gezwungenermaßen zum Polo mit Heckantrieb. Großer Frust bei Latvala, aber der Finne kämpft trotz Zeitverlust tapfer weiter und gibt wie immer nicht auf.

 

Zwei der drei Wertungsprüfungen am Freitagvormittag wurden teilweise bzw. komplett in Norwegen ausgetragen. Dort lag schon in den vergangenen Tagen Schnee, der Untergrund ist eisig sodass die Spike-Reifen der WRC-Autos hier perfekten Grip ermöglichen. Die erste Prüfung (Torsby) in Schweden führte hingegen über aufgetaute Schotterpisten. Doch auch die bereiteten keine Probleme. „Die Bedingungen hier sind nahezu perfekt“, schilderte Ogier seinen ersten Eindruck am Morgen. „Man konnte attackieren, die Veranstalter haben hier einen guten Job gemacht.“ In den vergangenen Tagen wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um die Rallye-Pisten entsprechend zu präparieren. Die teils buckeligen Schotterpisten wurden für die WRC-Autos vom Veranstalter in Nachtschichten eingeebnet.

 

Eine Schrecksekunde gab es kurz vor der Mittagspause dennoch. Auf der vierten Wertungsprüfung Svullrya 1 lauerte eine Pfütze, die Seb Ogier fast zum Verhängnis wurde. Er verlor kurzzeitig die Kontrolle über seinen Polo R WRC und streifte ein paar kleine Bäume. Der Franzose konnte aber weiterfahren und holte sogar den WP-Sieg. Auch Teamkollege Mikkelsen kam in der Pfütze ins Schlittern, konnte aber weiterfahren.

 

Am Nachmittag werden die drei Stages vom Vormittag noch einmal durchfahren. 

 

Stand nach WP 4:

 

1. Sébastien Ogier (Polo R WRC #1) 31.13,2 Min.

2. Andreas Mikkelsen (Polo R WRC #9) +24,2 Sek.

3. Kris Meeke (Citroën) +28,7 Sek.

4. Dani Sordo (Hyundai) +30,3 Sek.

5. Mads Østberg (Ford) +36,3 Sek.


Freitag: die Wertungsprüfungen des ersten Tages.


Donnerstag, 11.02.2016


Start erfolgt: Grünes Licht bei der Rallye Schweden.

 

Eins steht schon jetzt fest: Eine typische Rallye in Eis und Schnee wird die Rallye Schweden nicht. Eher ein großes Abenteuer, das die Teams und Organisatoren vor eine enorme Herausforderung stellen wird. Am Montag wurden bereits acht Wertungsprüfungen abgesagt. Es ist einfach zu warm in der Region Värmland rund um Karlstad. Die Pisten sind nicht gefroren, der teils matschige und weiche Untergrund musste bei vielen WPs mit schwerem Gerät eingeebnet werden. Der Motorsport-Weltverband FIA gestattete den WRC-Teams aus Sicherheitsgründen vier Spike-Reifen mehr. Optimale Haftung bieten sie auf Schotterpisten nicht, aber der Einsatz zusätzlicher Pneus wird definitiv die Bodenhaftung auf den Stages verbessern.

 

Auf der Pferderennbahn in Karlstad sollte ursprünglich die spektakuläre Eröffnungs-Wertungsprüfung ausgetragen werden. Daraus wurde nichts, da auch dort in Sachen Schnee Fehlanzeige herrscht. Ganz auf die WRC-Autos mussten die Fans allerdings nicht verzichten. Am Donnerstagabend erfolgte hier der zeremonielle Start. In den kommenden drei Tagen wartet auf die Teilnehmer ein abgespecktes Programm. Von den ursprünglich 21 Wertungsprüfungen stehen aktuell nur noch 13 im Zeitplan.

 

In den kommenden Tagen soll das Thermometer unter den Gefrierpunkt fallen, vielleicht hält der Untergrund ja doch und es fällt zumindest noch die ein oder andere Schneeflocke.


Mehr Grip für die Rallye Schweden.


Voller Einsatz für die Rallye: Die Veranstalter der Rallye Schweden geben momentan ihr Bestes, um einen reibungslosen Ablauf des Klassikers zu gewährleisten. Mit Dampfwalzen wurden in der Nacht zu Donnerstag Unebenheiten auf den Wertungsprüfungen Vargåsen, Värmullåsen, Torsby und Fredriksberg beseitigt. Temperaturen über dem Gefrierpunkt und Regenfälle hatten in den vergangenen Tagen dazu geführt, dass die Pisten rund um Karlstad nicht hart gefroren, sondern weich und schlammig waren. Infolgedessen wurden acht der ursprünglich 21 WPs gestrichen. 

 

Auch der Motorsport-Weltverband FIA zog angesichts der schwierigen Bedingungen Konsequenzen. Um die Sicherheit der Fahrer bei der Rallye zu erhöhen, erlaubte der Verband den Einsatz von vier zusätzlichen Spike-Reifen. Da es sich bei der Rallye Schweden auf dem Papier um eine Schnee-und-Eis-Veranstaltung handelt, ist ausschließlich der Einsatz der schmalen, mit Metallstiften gespickten Reifen erlaubt.

 

Die Rallye Schweden beginnt am Freitagmorgen um 08:51 Uhr mit der Wertungsprüfung Torsby 1.


Dienstag, 09.02.2016


Schwedens Schnee verspricht: „Ich gebe mein Bestes“.

Angesichts der Wetterlage zum Start der Rallye Schweden ein kritisches Interview mit einem der Protagonisten des zweiten WRC-Laufs: dem schwedischen Schnee.

 

Die Rallye Schweden steht an. Wie fühlen Sie sich?

Mir wird schon wieder ganz heiß …

 

Steigende Temperaturen sind alles andere als gut für eine Rallye, bei der Sie eine der Hauptrollen spielen. Warum fällt es Ihnen so schwer, cool zu bleiben?

Das ist eine schwierige Frage. Vor ein paar Jahren fiel es mir tatsächlich noch leichter. 2013 zum Beispiel. Da hatten alle noch gehörig Respekt vor mir.

 

Sie haben damals allen Beteiligten die kalte Schulter gezeigt. Wir erinnern uns. Beschreiben Sie Ihren letzten großen Auftritt bitte aus Ihrer Sicht.

Es war fantastisch. Alle haben vor mir gezittert. Rallye-Fans mussten sich ihren Weg an die Prüfungsstrecken freischaufeln. Die Teams haben im Service Park die großen Heizstrahler ausgepackt, um nicht festzufrieren. Überall sind selbst Snowmobile stecken geblieben. Und einige Fahrer in den riesigen Schneebergen entlang der Prüfungstrecken auch.

 

Sie klingen ein wenig schadenfroh. In der Regel freuen sich Menschen im Winter über Sie. Hat Sie die Einsicht in Ihre mangelnde Leistungsfähigkeit der vergangenen zwei Winter rund um die Rallye Schweden etwas verbittert werden lassen?

Ich gebe zu, dass ich meine jüngste Performance noch verbessern kann. Aber von Verbitterung ist keine Spur. In vielen Regionen des Nordens werde ich den Ansprüchen mehr als gerecht. Auch jetzt noch.

 

Wir meinen, dass Trotzigkeit nicht weiterhilft. Bitte legen Sie sich fest: Können wir für die Rallye Schweden 2016 noch mit Ihnen rechnen?

Ich denke, es ist unbestritten, dass ich ein großer Fan der Rallye Schweden bin. Wer ist das nicht? Ich verspreche, in jedem Fall mein Bestes zu geben, damit das Event so gut es geht stattfinden kann.

 

Das hören wir gern. Dennoch gab es zwischenzeitig Wettervorhersagen für steigende Temperaturen. Was sagen Sie dazu?

Glauben Sie mir: Die sind alle Schnee von gestern.

 

Die Zeitpläne sind bereits ein wenig durcheinandergewirbelt worden. Können wir wirklich noch mit Ihnen rechnen?

Ja, das können Sie. Ich werde kommen. Aber ob die Rallye-Autos dann auch noch da sind ...?

 

Hinweis: Das Interview wurde vor der Rallye Schweden aufgezeichnet.


Montag, 08.02.2016


Tauwetter in Värmland: Route der Rallye Schweden wird verkürzt.

Temperaturen über dem Gefrierpunkt und Regen in Karlstad und Umgebung gefährden die Rallye Schweden am kommenden Wochenende (12. bis 14. Februar 2016). Nun hat der Veranstalter mitgeteilt, dass die zweite Veranstaltung der FIA Rallye-Weltmeisterschaft – Stand Montagmittag – dennoch ausgetragen werden soll. Allerdings werden die WRC-Stars nicht bei allen der 21 eigentlich geplanten Wertungsprüfungen an den Start gehen.

Nicht gefahren werden die Zuschauerprüfung „Karlstad“ am Donnerstag, „Kirkenær“ (WP 5/6) am Freitag sowie die WP 15 „Hagfors Sprint“ am Samstag. Die „Recce“ wird von Dienstag/Mittwoch auf Mittwoch/Donnerstag verlegt, der Shakedown abgesagt. „Wir haben Temperaturen unter dem Gefrierpunkt und sogar eine Schnee-Vorhersage für das Rallye-Wochenende“, sagt Strecken-Chef Johan Magnusson. „Aber die entscheidende Frage wird sein, ob die Straßen wieder gefrieren. Denn wir brauchen gefrorene Straßen, um das Event austragen zu können.“


Freitag, 05.02.2016


Vorschau

Rallye-Action auf Schnee und Eis.


Die Bilder der Rallye Schweden 2015 sind den Fans noch lebhaft im Gedächtnis: Die Onboard-Aufnahme zeigt, wie der Polo R WRC mit der Startnummer 9 abseits der Piste im Tiefschnee feststeckt. Der Motor heult auf, doch so schnell kommt Andreas Mikkelsen aus diesem Dilemma nicht mehr heraus. Schnitt auf die zweite Onboard-Kamera. Sein damaliger Beifahrer Ola Fløene ist zu sehen, der schlägt mit dem Pacenote-Block auf seine Oberschenkel ein. Sein Gesichtsausdruck spricht Bände: Er kann es nicht fassen.

 

Ein kleiner Quersteher auf der abschließenden Powerstage machte Mikkelsens Premierensieg letztendlich zunichte. Das ganze Wochenende über hatte sich der Norweger ein sehenswertes Duell mit Teamkollege Sébastien Ogier geliefert. Im Ziel konnte Ogier sein Glück kaum fassen. Der zweite  Schweden-Sieg war perfekt. Mikkelsen kam mithilfe der Fans zwar aus dem verschneiten Straßengraben, er musste sich aber letztendlich mit Platz drei begnügen.

 

Neues Jahr, neues Glück. Bei der Rallye durch Värmland in der Nähe von Karlstad soll in diesem Jahr alles besser laufen. Mikkelsen hat nur ein Ziel: „Ich fahre nicht zur Rallye Schweden, um Zweiter zu werden.“ Die Unterstützung vor Ort ist Andreas sicher. Denn Teile der Rallye führen auch durch Norwegen, Mikkelsens Heimat. Auf der Wertungsprüfung „Röjden“ fahren die WRC-Piloten sogar sowohl auf schwedischem als auch norwegischem Boden.

 

Volkswagen in Schweden ungeschlagen.

 

Die Rallye Schweden ist die einzige Rallye im Kalender, die ausschließlich auf Schnee und Eis ausgetragen wird. Die Szenerie mit Wäldern, die mit Puderzucker bestreut zu sein scheinen, gleicht alljährlich einem Wintermärchen. Doch die Idylle trügt. Denn die verschneiten Pisten haben es in sich. Sie sind extrem schmal, abseits der Straße lauern Tiefschnee und viele Bäume. Die Bilanz von Volkswagen in Schweden ist dennoch makellos. Seit dem Debüt des Polo R WRC 2013 gewannen die Wolfsburger alle drei Ausgaben der Rallye Schweden. 2013 war Ogier erfolgreich, 2014 Jari-Matti Latvala und im letzten Jahr erneut Ogier. 

 

Nicht nur die verschneite Umgebung ist für die Rallye-WM einzigartig. Auch der Fahrstil ist wohl für die Rallye-Weltmeisterschaft einzigartig. Um schnell zu sein wird die gesamte Streckenbreite ausgenutzt und sich schonmal gerne an eine Schneewehe am Straßenrand angelehnt. Für den nötigen Grip sorgt der X-Ice North-Reifen von Michelin. Der Pneu ist mit 195mm deutlich schmaler als der Asphalt- oder Schotter-Reifen. 13,5 Millimeter tief eingeschraubte, um 6,5 Millimeter herausstehende Spikes bohren sich beim Fahren ins Eis und sorgen damit für optimale Bodenhaftung.

 

Rallye-Party rund um Colin’s Crest.

 

Neben den spektakulären Drift-Einlagen der Piloten über die verschneiten Pisten bietet die Rallye Schweden zwei weitere Highlights. Die erste Wertungsprüfung in Karlstad am Donnerstagabend wird auf einer Pferderennbahn ausgetragen. Zwei WRC-Autos treten dabei auf Parallelkursen gegeneinander an und begeistern die Fans. Die Sprungkuppe Colin’s Crest, benannt nach der Rallye-Legende Colin McRae, auf der längsten WP der Rallye, Vargåsen, ist ein weiterer Höhepunkt. Hier fliegen die WRC-Autos bis zu 44 Meter weit. Drumherum feiern die zahlreichen Fans eine riesige Party.

 

Ob Volkswagen am Ende erneut feiern darf, bleibt abzuwarten. Der Saisonstart bei der Rallye Monte Carlo ist geglückt, Ogier und Mikkelsen erzielten zusammen einen weiteren Doppelsieg. Die Wolfsburger sind damit erneut klarer Favorit auf den Sieg. Die Fragen für Schweden könnten lauten: Schafft Ogier seinen dritten Schweden-Erfolg und seinen zweiten Saisonsieg? Darf Jari-Matti Latvala zum dritten Mal in Schweden und zum ersten Mal in dieser Saison jubeln? Oder wird Andreas Mikkelsen die dramatischen Bilder aus dem Vorjahr endgültig vergessen machen und im Hohen Norden als jubelnder Sieger auf seinen Polo R WRC steigen?


Stimmen aus dem Volkswagen Team

„Ich fahre nicht hin, um Zweiter zu werden.“

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1

„Es ist natürlich großartig, mit einem Traumstart in die Saison und mit 28 Punkten auf dem Konto nach Schweden zu reisen. Die Bedingungen dort sind einzigartig und mit nichts vergleichbar, was es sonst in der Rallye-Welt gibt. Auf Eis und Schnee haben wir dank der speziellen Spike-Reifen perfekten Grip und man kann bei hohem Tempo das Auto ganz präzise positionieren. Ich bin in jedem Fall gespannt und erwarte eine enge Rallye Schweden. In den vergangenen Jahren war es ein harter Kampf mit den nordischen Fahrern. Denn die gilt es in Schweden zu schlagen.“


Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2

„Die Rallye Schweden ist wie eine Heim-Rallye für mich. Ich liebe es, auf Schnee zu fahren. Keine Frage, es ist schon härter, mit null Punkten nach Schweden zu reisen als mit einem guten Resultat aus Monte Carlo. Das kann ich jedoch nicht ändern. Das Positive daran ist aber, dass ich eine bessere Startposition haben werde. Mit einer guten Startposition hat man viel bessere Bedingungen und muss weniger Risiko eingehen. Das muss ich nutzen, um möglichst schnell in den Titelkampf zurückzukehren. Klar ist aber auch, dass ich mit Sébastien Ogier und Andreas Mikkelsen zwei Teamkollegen habe, die nicht nur beide gezeigt haben, dass sie in Schweden gewinnen können, sondern auch besonders motiviert sind. Nicht zu vergessen die Konkurrenz aus den anderen Teams.“

 

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9

„Eins vorab: Ich fahre nicht zur Rallye Schweden, um Zweiter zu werden. Es ist meine Heim-Rallye, weil sie zum Teil auch in meinem Heimatland Norwegen ausgetragen wird. Viele meiner Freunde und meine gesamte Familie sind vor Ort und es ist schon immer mein Traum gewesen, dort zu gewinnen. Letztes Jahr war es so verdammt knapp, ich hatte es selbst in der Hand – doch am Ende hat es auf den letzten Metern nicht gereicht. Die Bedingungen sind bei der Rallye Schweden extrem. Wir fahren mit 6,5 Millimeter langen ‚Schweden-Spikes‘, die eine enorme Haftung bieten. Zudem kann man sich an den Schneewällen links und rechts der Strecke gut ‚anlehnen‘, um Tempo mitzunehmen. Man kann also richtig Gas geben, ohne zu viel zu riskieren. Wir sind gut in die Saison gestartet und ich werde alles dafür tun, um in Schweden zum ersten Mal zu gewinnen.“


Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor
„Wir werden stets mit viel Stolz und Vorfreude zur Rallye Schweden reisen. Denn den Ort des ersten Rallye-WM-Siegs wird die ganze Mannschaft nie vergessen. In den drei zurückliegenden Jahren haben wir jeweils herausragende Rallyes in Schweden erlebt – mit Siegen von Sébastien Ogier und Jari-Matti Latvala und dazu ganz besonderen Momenten für Andreas Mikkelsen. Etwa mit dem ersten Podestplatz und dem knapp entgangenen ersten Sieg vor zwölf Monaten. Von dem Drama im vergangenen Jahr, als bis zur letzten Prüfung drei Fahrer mit gleichen Chancen um den Sieg gekämpft haben, werden die Rallye-Fans lange schwärmen – es sei denn, die kommende Rallye Schweden wird noch packender als die 2015.“