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Rallye Monte Carlo.

Große Momente: Von fürstlichen Verlockungen, Scheinwerferskandalen und Antriebsrevolutionen.

RALLYE MONTE CARLO

Die Idee hinter der Rallye Monte Carlo hatte rein gar nichts mit einem Autorennen zu tun. Die Monegassen wollten in den kalten Wintermonaten Touristen an die Côte d'Azur locken, deshalb gab Fürst Albert I. 1911 seinen Segen zu einer „Sternfahrt“, die von vielen europäischen Städten in den kleinen Stadtstaat am Mittelmeer führte. Der Plan ging auf, aber niemand konnte damals ahnen, dass die „Monte“, wie die Rallye von allen liebevoll genannt wird, später eine so große Bedeutung erlangen würde, dass sie heutzutage zu den wichtigsten Motorsportveranstaltungen weltweit gehört.

Intro

1949

Die Wagen rollen wieder.

Gut vier Jahre nach Ende des zweiten Weltkriegs feierte die Rallye Monte Carlo ihre Wiedergeburt. Ein starkes Feld von 205 Teilnehmern ließ jene Kritiker verstummen, die behaupteten, der Rallyesport habe im Nachkriegseuropa keine Daseinsberechtigung mehr. Unter den Teams hingegen herrschte große Freude darüber, dass die bekannte Rallye wieder aus der Taufe gehoben wurde. Der Sieger der Rallye Monte Carlo 1949 war übrigens jener Jean Trévoux, der auch die letzte Ausgabe vor dem Krieg gewonnen hatte – und Trévoux fuhr das gleiche Fahrzeug, in dem er auch zehn Jahre zuvor gesessen hatte, einen Hotchkiss 686 GS.

 

1949

1966

Licht und Schatten.

Die Rallye Monte Carlo 1966 gilt als eine der umstrittensten Veranstaltungen in der Geschichte des Sports. Bei der Ankunft im Fürstentum sah es nach einem Dreifachsieg der Mini Cooper aus. Doch kurz darauf wurde das Mini-Trio ebenso wie der viertplatzierte Ford Lotus Cortina disqualifiziert. Grund waren die nicht abblendenden Jod-Scheinwerfer der vier britischen Autos, die der Veranstalter für regelwidrig erklärte. Somit ging der Sieg an die französische Citroën-Mannschaft. Fahrer Pauli Toivonen, dessen Sohn Henri die Traditionsveranstaltung übrigens 20 Jahre später gewinnen sollte, weigerte sich bei der Siegerehrung, den Pokal entgegenzunehmen. Für Mini Cooper gab es zumindest ein Trostpflaster: Die britischen Kleinwagen holten im Folgejahr ihren dritten Sieg bei der „Mutter aller Rallyes“.  

1966

1981

Die quattro-Revolution.

In den Wochen vor der Rallye wurde Audi noch von der Konkurrenz belächelt. Permanenter Allradantrieb und Turbomotor in einem Rallyeauto? Diese Technik ist viel zu kompliziert, dachten sich zumindest die Teamchefs der anderen Hersteller. Auf der ersten Wertungsprüfung der Rallye Monte Carlo wurden sie eines Besseren belehrt: Auf schneebedeckter Fahrbahn zog der Audi quattro von Hannu Mikkola nach zehn Kilometern am hilflosen Lancia Stratos von Bernard Darniche vorbei. Mikkola schied zwar am letzten Tag durch einen Unfall aus, seine acht WP-Bestzeiten machten aber deutlich, wie der Rallyesport der Zukunft aussehen würde.

1981

1984

Der König von Monte

Carlo.

Der vierte Sieg in fünf Jahren und das für vier verschiedene Hersteller: Der Regensburger Walter Röhrl machte wieder einmal deutlich, wer der „König von Monte Carlo“ ist. Bei seiner ersten WM-Rallye für Audi und mit Allradantrieb düpierte Röhrl seine erfahrenen Teamkollegen und gewann erneut im Fürstentum, dabei lernte er die beim quattro so wichtige „Linksbremstechnik“ erst auf der Anfahrt nach Monte Carlo. Röhrl, der Jahre später zum Rallyefahrer des Millenniums gewählt wurde, sagt selbst: „Ein Sieg bei der Rallye Monte Carlo war mein Lebensziel, mein persönlicher Mount Everest.“

1984

1997

Eine Ära beginnt – eine

andere endet.

Das Jahr 1997 markierte das Ende einer über 70 Jahre alten Tradition. Zum letzten Mal begann die Rallye Monte Carlo mit einer Sternfahrt aus verschiedenen Städten Europas. Gleichzeitig war die „Monte“ 1997 die Geburtsstunde der neuen World Rally Cars. Im Vergleich zu den vorherigen Gruppe-A-Autos sahen die WRCs spektakulärer aus, durch die größeren Gestaltungsmöglichkeiten im Vergleich zum Basismodell wollte die FIA mit der neuen Klasse zudem weitere Hersteller anlocken. Der Italiener Piero Liatti gewann die WM-Premiere der World Rally Cars in seinem Subaru Impreza.

1997

2012

Das Comeback der

Grande Dame.

Nach dreijähriger Abstinenz war es endlich wieder soweit: Die Rallye Monte Carlo kehrte zurück in die Weltmeisterschaft und bildete den Auftakt zur Saison 2012. Die Veranstalter bemühten sich, ihrer Tradition so gut wie möglich gerecht zu werden. Sie dehnten die Rallye auf fünf Tage aus und ließen die Piloten, genau wie früher, viel im Dunkeln fahren. Bei einer weitgehend trockenen Rallye ging der Sieg souverän und wenig überraschend an Sébastien Loeb im Citroën DS3 WRC. Der Elsässer führt die ewige Bestenliste dieser Veranstaltung mit nunmehr sieben Siegen an – vor Walter Röhrl, dem Italiener Sandro Munari und dem Finnen Tomi Mäkinnen mit jeweils vier Siegen.

2012

2013

Einstand nach Maß.

Am Ende fiel allen Beteiligten aus dem Volkswagen Team ein Riesenstein vom Herzen: Der Polo R WRC hatte seine Feuertaufe – die Rallye Monte Carlo 2013 – mit Bravour bestanden: Platz zwei bei der härtesten Rallye des Jahres und dem ersten Einsatz in der WRC. Sébastien Ogier zauberte auf Anhieb Top-Zeiten bei schwierigsten Bedingungen auf den Asphalt. Mit seinem Beifahrer Julien Ingrassia gelangen dem Franzosen neben der herausragenden Gesamtplatzierung auch zwei Prüfungsbestzeiten. Im Kampf um die Spitze lieferte er sich ein packendes Duell mit Rallye-Star Sébastien Loeb, der zum Schluss knapp die Nase vorn hatte.

2013