Schließen X

Rallye? Rallye!

Keine Angst vor Fachbegriffen. Wir erklären die Wichtigsten und geben einen schnellen Einblick in diese faszinierende Sportart.

A

Aufschrieb

Rallye-Fahrer haben ein beeindruckendes Ortsgedächtnis. Dennoch benötigen sie Stichpunkte, um eine Wertungsprüfung im Renntempo zu fahren, denn diese kann mitunter 50 Kilometer und länger sein. Sie enthält unzählige Kurven, Kuppen oder Hindernisse, die erhöhte Aufmerksamkeit verlangen. All diese Informationen diktiert der Fahrer während des Trainings seinem Beifahrer in den Aufschrieb. Während der Rallye läuft es umgekehrt: Im Renntempo liest der Copilot seinem Fahrer die Informationen aus dem „Gebetbuch“ vor.

Wie detailliert der Aufschrieb ist, hängt von jedem Fahrer selbst ab. Manch einer schreibt noch die kleinsten Merkmale (Straßenschilder, Bäume, Steinbrocken) auf, andere wollen nur das Nötigste wissen, wenn es später im Renntempo über die Strecke geht. Auch bei der Einschätzung der Kurven gibt es viele Varianten und Vorlieben. Bei deutschsprachigen Teams ist die Einteilung von 1 („sehr langsam“) bis 6 („sehr schnell“) am gebräuchlichsten. Die kryptische Notiz „60 R2 150 L4“ wird vorgelesen als „60 rechts 2, 150 links 4“ und bedeutet nichts anderes als „In 60 Metern kommt eine eher langsame Rechtskurve, 150 Meter danach folgt eine schnelle Linkskurve“.

Aufschrieb

B

Bordbuch/Roadbook

Es gibt Navigationssysteme und Landkarten. Und es gibt das Roadbook. Darin beschreibt der Veranstalter alle Wege, die ein Fahrer benutzen soll und darf. Sei es die Zufahrt vom Servicepark bis zur nächsten Wertungsprüfung – alles ist genauestens notiert. Exakte Meterangaben bis zur nächsten Kreuzung finden sich im Roadbook ebenso wie Ortseingangsschilder oder markante Wegpunkte. Diese einzelnen Wegpunkte werden übrigens „Chinesen“ genannt, weil sie entfernt an die Schriftzeichen aus dem Reich der Mitte erinnern. Mit dem Roadbook ist sichergestellt, dass alle Teams die korrekte Route benutzen, was vom Veranstalter per GPS-Tracking überwacht wird.

Bordbuch

B

Bordkarte

Selbst in Zeiten von sekundengenauer GPS-Überwachung ist die Bordkarte unerlässlich. Auf diesem kleinen Schreibblock errechnet der Beifahrer die Ankunftszeit an der nächsten Zeitkontrolle, die von den Posten in der Bordkarte bestätigt wird. Nach einer Wertungsprüfung trägt die Zeitnahme auch die gefahrenen Zeiten in die Bordkarte ein. So ist sichergestellt, dass etwaige spätere Fehler in der Computer-Auswertung schnell gefunden und korrigiert werden können. Die Bordkarte ist für die Fahrer und Beifahrer übrigens eine Art Heiligtum. Wer sie verliert, darf nicht weiter an der Rallye teilnehmen.

Bordkarte

E

Etappe/Stage/Tage

Dauert die Rallye mehrere Tage, so wird sie in sogenannte Etappen unterteilt. Weil der Weltverband FIA die Bestimmungen über die Durchführung einer Rallye in den letzten Jahren stark gelockert hat, sind die Veranstalter nicht mehr an das lange verwendete „Freitag – Samstag – Sonntag“-Korsett gebunden. So starten die Monegassen bereits am Mittwoch und haben insgesamt vier Etappen, während man in Finnland einen WM-Lauf schon mal an zwei Tagen, also in zwei Etappen, durchzieht, um die Rallye bereits am Samstagabend mit einer rauschenden Party zu beenden. Das Ergebnis am Ende einer Etappe bestimmt bei den in die WM eingeschriebenen Teams die Startreihenfolge zur nächsten Etappe.

Etappe/Stage

F

Fahrerwertung und Markenwertung

Die Punktevergabe orientiert sich in der Rallye-Weltmeisterschaft an der Formel 1. Der Sieger erhält 25 Punkte, der Zweite 18, der Dritte 15 usw. Bis zum zehnten Rang werden die Punkte nach folgendem Schlüssel verteilt: 25-18-15-12-10-8-6-4-2-1. Neu seit 2012: Auf der Power-Stage, einer Wertungsprüfung gegen Ende eines WM-Laufs, gibt es zusätzliche drei Punkte für den Schnellsten, zwei für den Zweitplatzierten und der Dritte bekommt einen Extrazähler. Die Markenwertung ergibt sich aus den jeweiligen Ergebnissen der beiden Fahrer, die ein Team vor der Rallye offiziell für diese Wertung anmelden muss.

Fahrer- und Markenwertung

F

Fahrzeuge

In der Rallye-Weltmeisterschaft treten Fahrzeuge verschiedener Klassen an. Für die Saison 2014 hat die FIA die Benennung der einzelnen Fahrzeugkategorien geändert:

An der Spitze stehen die World Rally Cars (Klasse RC1), mit denen die Werksteams wie Volkswagen Motorsport antreten. Neben diesen reinrassigen Rallyefahrzeugen sehen die Regularien weitere Klassen vor, die wiederum mehrfach unterteilt sind.

RC2: In dieser Klasse sind drei Fahrzeugtypen zusammengefasst, die allerdings mehr oder weniger gleich schnell sind. Autos der Kategorie Super-2000 basieren auf Großserienmodellen, haben Saugmotoren mit zwei Litern Hubraum (S2000) oder 1,6-Liter-Turbobenziner (Regional Rally Car RRC) und etwas kleinere Spoiler als die WRC-Autos. Allradantrieb darf nachgerüstet werden. Fahrzeuge der Kategorien N4 und R4 basieren ebenfalls auf Serienmodellen, die jedoch schon in der Straßenversion über Allrad und Turbomotor (maximal zwei Liter Hubraum) verfügen. Kategorie R5: Großserienmodelle mit 1,6-Liter-Turbo, die weniger großzügig als RRC modifiziert werden dürfen, aber einen zwei Millimeter größeren Luftmengenbegrenzer (Air Restrictor) verwenden dürfen. Die erlaubten Karosseriemodifikationen entsprechen weitgehend dem S2000-Auto.

Den Rest des Feldes bilden frontgetriebene Fahrzeuge der Gruppen RC5, RC4 und RC3 mit weitgehend serienmäßiger Karosserie. Die Unterschiede liegen vor allem beim Motor. RC5: Saugmotor mit maximal 1,6 Liter oder Turbomotor mit maximal 1,4 Liter Hubraum. RC4: Saugmotor mit maximal zwei Liter Hubraum. RC3: Saugmotor mit maximal zwei Liter Hubraum, Turbo-Benziner mit maximal 1,6 Liter Hubraum oder Turbodiesel mit maximal zwei Liter Hubraum.

Eine weitere Klasse ist für GT-Fahrzeuge (z. B. Porsche 911) reserviert.

Fahrzeuge

M

Meisterschaften

Die beiden Top-Meisterschaften innerhalb der Rallye-Weltmeisterschaft sind die Fahrer- und die Marken-WM. Gewertet wird nach unterschiedlichen Methoden.


Fahrer erhalten grundsätzlich immer Punkte, wenn sie bei einem WM-Lauf unter den ersten Zehn ins Ziel kommen. Auf die selbe Weise wird eine Beifahrer-Tabelle erstellt. Wechseln Fahrer im Laufe des Jahres ihre Copiloten, kann es theoretisch vorkommen, dass die WM-Titel in Fahrer- und Beifahrer-Wertung an zwei unterschiedliche Teams gehen.


Hersteller beziehungsweise Teams haben zwei Möglichkeiten. Sie registrieren sich als „Manufacturer“, dann müssen sie alle WM-Läufe mit zwei World Rally Car (WRC) bestreiten. Die Einschreibegebühr beträgt 2014 exakt 311.510 Euro.
Als „WRC-Team“ müssen sie bei mindestens sieben WM-Rallyes mit einem oder zwei WRC starten. Einschreibegebühr: 43.620 Euro für zwei Autos.


In beiden Fällen müssen Teams vor dem Start festlegen, welche Fahrer für sie punkten. Neu ist in der Saison 2014, dass der Nummer-1-Pilot nicht mehr für die gesamte Saison, sondern für mindestens zehn Rallyes fixiert werden muss. Das zweite Auto kann weiterhin mit wechselnden Fahrern besetzt werden.


Bei der Punktevergabe in der Marken-WM werden nur registrierte Fahrer berücksichtigt, wiederum die zehn Bestplatzierten. Es kann also vorkommen, dass ein registrierter Fahrer in der Gesamtwertung einer Rallye nur Rang 17 belegt, aber als Achter der registrierten Fahrer dennoch drei Marken-Punkte für sein Team holt.


In der WRC2- und WRC3-Weltmeisterschaft werden Titel ebenfalls für Fahrer, Copiloten und Teams vergeben. Jeweils mindestens sieben WM-Rallyes müssen bestritten werden, allerdings werden maximal sechs Ergebnisse gewertet.
In der WRC2 sind Fahrzeuge der Klasse RC2 zugelassen, in der WRC3 ausschließlich RC3-Autos.

Meisterschaften

N

Nachuntersuchung

Wer bei einer Rallye als Sieger über die Zielrampe fährt, ist noch längst nicht aus dem Schneider. Nach der Zielankunft steht nämlich erst noch die Nachuntersuchung an, zumindest für die erfolgreichsten Teams. Bei internationalen Wettbewerben lassen die Technischen Kommissare dazu normalerweise die Fahrzeuge der drei Erstplatzierten im Gesamtklassement sowie der Gewinner der einzelnen Klassen antreten.

Kontrolliert werden Gewichte, Abmessungen und Formen verschiedener  Fahrzeugteile. Häufig wissen die Kommissare schon vorher genau, wo sie suchen müssen. Entweder weil ein Team allzu auffällig geworden ist – z. B. durch im Laufe einer Rallye dramatisch zunehmendes Tempo –, oder weil die Konkurrenz einen Tipp gegeben hat.

Haben die Techniker eine Trickserei entlarvt, melden sie den Fall an die Sportkommissare, die daraufhin über eine Strafe entscheiden. In den meisten Fällen wird der betroffene Fahrer aus der Wertung ausgeschlossen, je nach Schwere des Vergehens kann er außerdem auch noch seine Rennlizenz für einen bestimmten Zeitraum verlieren. Ist er selber nicht für die Technik seines Fahrzeugs verantwortlich – z. B. bei Werksautos –, wird zusätzlich das Team bestraft.

Nachuntersuchung

P

Piloten

Ab der Saison 2014 haben Teams mehr Flexibilität bei der Aufstellung ihrer Fahrer. Ein Pilot muss nicht mehr für eine komplette Saison gemeldet werden. Hersteller müssen ihre Fahrer allerdings für mindestens zehn WM-Läufe anmelden.

Piloten

P

Protest/Berufung

Wer glaubt, dass ein Konkurrent mit unfairen Mitteln arbeitet, kann Protest einlegen. Dafür gelten in der Rallye-Weltmeisterschaft allerdings recht hohe formale Anforderungen. Viele Proteste werden von den Sportkommissaren gar nicht erst angenommen, weil Fristen versäumt, Vorschriften nicht eingehalten oder falsche Absender/Empfänger angegeben wurden. Außerdem muss der so genannte Protestführer rechtzeitig eine Gebühr von 1.000 Euro entrichten.

Im Protestschreiben muss exakt definiert sein, welches Bauteil des verdächtigten Autos die Techniker kontrollieren sollen. Muss dazu das Fahrzeug demontiert werden, wird vom Protestführer zusätzlich eine entsprechende Aufwandsentschädigung verlangt. Nur bei Erfolg erhält der Protestführer seinen kompletten Einsatz zurück. Wird ein Protest – egal aus welchem Grund – abgewiesen, verfallen dagegen die Gebühren, und Entschädigungen werden dem beschuldigten Team zugesprochen.

Im Gegenzug hat ein Beschuldigter, der mit einem Urteil der Technischen Kommissare nicht einverstanden ist, die Möglichkeit der Berufung. Dann wird’s allerdings richtig teuer – in der Rallye-Weltmeisterschaft sind dann 12.000 Euro alleine an Gebühren fällig.

Protest/Berufung

R

Rallye

Die ersten Rallyes (vom Englischen to rally = sich versammeln) waren Langstreckenrennen auf öffentlichen Straßen. Die Zunahme des allgemeinen Autoverkehrs und der Fahrtgeschwindigkeit führte dazu, dass Rallyes auf abgesperrte Strecken verlegt wurden. Statt Zuverlässigkeit zählte bald nur noch Geschwindigkeit.

Der moderne Rallye-Sport hat sich in drei Gruppen gespalten: die Weltmeisterschaft mit Klassikern wie die seit 1911 durchgeführte Rallye Monte Carlo, Cross-Country-Rallyes wie die „Dakar“ und Rallyecross, eine Art Rundstreckenrennen mit Rallye-Autos). Seit 1973 gibt es eine Weltmeisterschaft für Hersteller, seit 1979 auch für Fahrer. Erster Weltmeister war der Schwede Björn Waldegård, Walter Röhrl (1980 mit Fiat, 1982 mit Opel) gewann als bisher einziger Deutscher den Titel.

Beim Rallye-Sport nach dem Muster der Weltmeisterschaft geht es darum, auf speziell abgesperrten Strecken (Wertungsprüfung) möglichst schnell zu fahren. Am Ende werden die Zeiten – plus eventuelle Zeitstrafen – zusammengerechnet, und der Schnellste hat gewonnen. Das ist stark verallgemeinerte Kurzform, wenn man sich zum ersten Mal überhaupt dieser faszinierenden Motorsport-Art nähert.

Rallye

R

Rally2

Teams, die wegen eines Unfalls oder Defekts vorzeitig ausscheiden, können dank dieser Regel am nächsten Tag wieder an den Start gehen und sind genauso punkteberechtigt wie jene Fahrer, die alle Wertungsprüfungen absolvieren. Allerdings bekommen sie pro Wertungsprüfung, die sie aufgrund ihres Ausscheidens verpasst haben, zusätzlich zur Fahrtzeit des jeweils Klassenbesten eine Zeitstrafe von fünf Minuten angerechnet. Sollte nur die letzte Prüfung eines Rallye-Tages verpasst werden, wird eine Strafe von zehn Minuten angerechnet. Während der jeweils letzten Etappe ist Rally2 nicht möglich. Außerdem wendet zum Beispiel die Rallye Monte Carlo die Rally2-Regelung überhaupt nicht an.

Rally2

R

Recce/Training

Wer hier patzt, hat schon verloren! Vor einer Rallye ist es den Teams gestattet, zwei Mal über eine Wertungsprüfung zu fahren und ihren Aufschrieb zu erstellen. Wo es im Detail entlanggeht, verrät ihnen dabei das Roadbook. Während des Trainings – der Insider spricht hier vom Recce als Abkürzung des englischen Begriffs „reconnaissance“ – darf je nach Gegebenheit nicht schneller als 30 bis 90 km/h gefahren werden. Dabei muss der Fahrer dennoch einschätzen können, wie schnell er später an einer Stelle fahren kann, ohne abzufliegen. Das ist die hohe Kunst des Rallye-Fahrens.

Recce/Training

S

Service/Servicepark

Das Herzstück einer jeden Rallye. Hier bauen die Teams ihre großen Zelte auf. Innerhalb von 15 bis 30 Minuten (am Ende einer Etappe sind 45 Minuten erlaubt) müssen die Mechaniker nicht nur die nötigen Wartungsarbeiten durchführen, sondern auch mögliche Schäden beheben. Erlaubt sind dabei nur fünf Mechaniker und ein Ingenieur pro Auto. Sind Wertungsprüfungen zu weit vom Servicepark entfernt, hat der Veranstalter die Möglichkeit, eine sogenannte Remote Service Zone einzurichten. Hier sind innerhalb von 15 Minuten nur beschränkte Reparaturen erlaubt. Außerhalb des Serviceparks bzw. der Remote Service Zone dürfen lediglich Fahrer und Beifahrer am Auto arbeiten, und das auch nur mit Ersatzteilen und Werkzeugen, die sie bereits im Fahrzeug mitführen.Jede weitere Hilfe führt unweigerlich zum Wertungsausschluss.

Service/Servicepark

S

Shakedown

Das letzte Training vor dem Start. Die Fahrer können auf einer verkürzten Wertungsprüfung ihre Autos testen, um an den Fahrzeugeinstellungen zu arbeiten.

Shakedown

S

Startplätze

Ab der Saison 2014 entfällt das bisher bei Schotter-Rallyes gefahrene Qualifying am Rallye-Vortag. Stattdessen wird nun sowohl auf Asphalt als auch auf Schotter entsprechend dem aktuellen Zwischenstand in der Fahrerwertung gestartet. Am zweiten und dritten Rallye-Tag gehen die Fahrer der Kategorien P1 und P2 in umgekehrter Reihenfolge des Zwischenstands der jeweiligen Rallye ins Rennen. Fahrzeuge, die nach einem Ausfall am Vortag unter Rally2-Reglement wieder antreten, starten als Erste.

Startplätze

S

Sticker

Um die Fahrzeuge besser unterscheiden zu können, bekommen alle Autos der Kategorien WRC, WRC2, WRC3 und Junior WRC ab 2014 einen farbigen Sticker auf die Windschutzscheibe, der die jeweilige Fahrzeugkategorie kennzeichnet.

 

Die Farben der einzelnen Kategorien:

 

Grün = WRC

Rot = WRC2

Orange = WRC3

Blau = Junior WRC

Sticker

T

Technische Abnahme

Alle Fahrzeuge, die bei einer Rallye starten, müssen zuvor eine technische Abnahme durchlaufen. Bei diesem Vorgang nehmen Technische Kommissare (TK) das Fahrzeug genau unter die Lupe.

 

Ihre Hauptaufgabe ist der Check der vorgeschriebenen Sicherheitseinrichtung. So dürfen viele Komponenten, auch die Fahrerausrüstung, nur einen gewissen Zeitraum nach Herstellung verwendet werden. Die im Englischen „Scrutineers“ genannten Offiziellen prüfen also, ob zum Beispiel Gurte, Sitze, der Tank, Feuerlöscher, Fahreranzüge, Unterwäsche, Schuhe, Handschuhe und Helme ein Prüfsiegel der FIA tragen und noch zugelassen sind. Wichtig sind auch Kleinigkeiten wie zwei Gurtmesser, mit denen die Besatzung sich selbst im Notfall helfen kann.

 

Bei Turbomotoren wird zusätzlich nachgemessen, ob der vorgeschriebene Luftmengenbegrenzer den korrekten Durchmesser hat (z. B. 33 Millimeter bei World Rally Cars wie dem Polo R WRC). Außerdem überprüfen die TK, ob eventuell für die gemeldete Kategorie spezifische Vorschriften (z. B. automatische Feuerlöschanlage, Mindestgewicht, HANS-System) eingehalten werden. Generell achten sie darauf, dass ein Fahrzeug nicht dem Ansehen des Motorsports schadet. Verbeulte Rostlauben werden ebenso abgewiesen wie eigene Werbung des Teilnehmers, die z. B. anstößig oder politisch ist.

 

Nimmt ein Team die so genannte Rally2-Regelung in Anspruch, startet also nach einem Ausfall zu einer folgenden Etappe neu, muss das Fahrzeug erneut den TK vorgeführt werden. Häufigster Grund für ein Startverbot, wenn ein Unfall der Ausfallgrund war: Beschädigungen des Überrollkäfigs.

Technische Abnahme

V

Verbindungsetappe

Von Wertungsprüfung zu Wertungsprüfung fahren die Teilnehmer auf Verbindungsetappen. Diese führen üblicherweise auch durch den öffentlichen Straßenverkehr, die Rallye-Fahrzeuge müssen deshalb der Straßenverkehrsordnung entsprechen und haben ein eigenes Nummernschild. Die Länge der Verbindungsetappe variiert enorm. Sie kann nur ein kleiner Hüpfer zum nächsten Dorf, aber auch über 100 Kilometer lang sein und über Autobahnen führen.



Übrigens: Wie lange ein Teilnehmer auf einer Verbindungsetappe braucht, probiert der Veranstalter lange vor der Rallye aus. Dann fährt er mit seinem Auto zur entsprechenden Uhrzeit die vorgegebene Strecke ab und kann auch mögliche Störungen (Anliegerverkehr, viele Ampeln etc.) berücksichtigen. Die Zeiten sind so großzügig bemessen, dass kein Rallye-Teilnehmer im öffentlichen Straßenverkehr „rasen“ muss.

Verbindungsetappe

W

Wertungsprüfung

Hier findet die Action statt! Egal ob ein Zuschauerkurs in einer Innenstadt, ein einsamer Schotterweg in Griechenland oder eine schmale Straße durch die malerischen Weinberge entlang der Mosel – überall wird Rallye gefahren. Die Wertungsprüfung (Englisch: Special Stage) wird vor dem Start abgesperrt, um sicherzustellen, dass sich niemand sonst außer den Rallye-Fahrzeugen darauf befindet. Streckenposten kontrollieren alle möglichen Zufahrtswege und sind dabei auch für die Lenkung der Zuschauer verantwortlich.


Der Veranstalter setzt vor dem ersten Fahrer sogenannte Vorausautos ein, die noch einmal die Sicherheit entlang der Strecke kontrollieren. Anschließend wird die Wertungsprüfung freigegeben, und für den ersten Fahrer beginnt an der Startlinie der Countdown. Die Fahrer starten übrigens nicht gleichzeitig, sondern mit einem gewissen Zeitabstand (in der Rallye-WM sind es ein bis drei Minuten) hintereinander. Rad-an-Rad-Duelle wie auf der Rundstrecke gibt es deshalb nicht, der einzige Gegner ist die Stoppuhr.

Wertungsprüfung

W

World Rally Car

Seit 1997 ist das die Königsklasse im Rallye-Sport. Keine anderen Fahrzeuge sind ausgefeilter und hochkarätiger. World Rally Cars (WRC) müssen auf einem Großserienfahrzeug basieren. Allradantrieb (Standardteile vorgeschrieben) und Turbolader (ebenfalls Standardteil) können nachgerüstet werden. Weil die Technik in den vergangenen Jahren immer exklusiver geworden ist und damit auch die Kosten gestiegen sind, hat die FIA mit der Saison 2011 ein neues Reglement eingeführt und damit den Weg für die zweite, weniger als halb so teure Generation der spektakulären World Rally Cars geebnet. Sie sind nun kleiner und werden von einem 1,6-Liter-Vierzylinderturbo (vorher zwei Liter Hubraum) mit Benzin-Direkteinspritzung angetrieben, der über rund 300 PS verfügt und mehr als 400 Newtonmeter Drehmoment bietet.

World Rally Car

Z

Zeitplan

Wann und wo auf einer Etappe die Wertungsprüfungen, Servicepausen oder Regroupings stattfinden, verrät der Zeitplan. Alle Zeiten beziehen sich auf das erste Fahrzeug auf der Strecke. So weiß jeder Besucher, wann er an welcher Stelle zu stehen hat oder den Mechanikern beim Arbeiten im Servicepark über die Schulter schauen kann.

 

Ab der Saison 2014 werden die Zeitpläne für alle WM-Läufe standardisiert. Am Donnerstag findet jeweils die Startzeremonie statt, die finale Wertungsprüfung am Sonntag gegen 12 Uhr mittags. Letztere wird immer als Powerstage ausgetragen und muss mindestens zehn Kilometer lang sein.

Zeitplan

Z

Zeitkontrolle

Damit der Zeitplan eingehalten wird, setzt der Veranstalter sogenannte Zeitkontrollen ein, die sich üblicherweise vor einer Wertungsprüfung und vor bzw. nach dem Servicepark befinden. Jeder Beifahrer weiß anhand der Bordkarte, wie lange er für die jeweiligen Streckenabschnitte braucht, und errechnet selbstständig seine Ankunftszeiten. Versäumt er diese jedoch, kassiert er Strafzeiten. Für jede Minute, die er zu früh dort ist, gibt es 60 Strafsekunden, für jede Minute zu spät zehn Strafsekunden. Die maximal erlaubte Verspätung ist außerdem begrenzt (z. B. 15 Minuten pro Etappe). Diese Strafzeiten werden am Ende zu der Gesamtzeit der Wertungsprüfungen addiert. Die Summe von Wertungsprüfungszeiten und Strafzeiten bestimmt den Sieger der Rallye.

Zeitkontrolle