Rallye Frankreich.

01. bis 04. Oktober 2015.


Aktuelle Reportagen, exklusive Hintergrundberichte, Interviews, spektakuläre Fotos – einfach alles zur Rallye Frankreich 2015. Hier sind Sie immer auf dem neuesten Stand.

Zeitplan

 

Hinweis: Angaben im Zeitplan entsprechen der Ortszeit, UTC + 2 Stunden (Stand: 25.09.2015).

 

Donnerstag, 01. Oktober 2015

08:00   Shakedown (Poggio-di-Venaco), 210 Min. 03,88 km  
19:00   Zeremonieller Start (Place de Gaulle)    

Freitag, 02. Oktober 2015

09:23 WP 01 Plage du Liamone–Sarrola-Carcopino 29,12 km
13:39 WP 02 Casamozza–Ponte Leccia 1 43,69 km
14:47 WP 03 Francardo–Sermano 1 36,43 km

Samstag, 03. Oktober 2015

09:00 WP 04 Casamozza–Ponte Leccia 2 43,69 km
10:08 WP 05 Francardo–Sermano 2 36,43 km
13:52 WP 06 Muracciole–Col de Sorba 48,46 km

Sonntag, 04. Oktober 2015

07:25 WP 07 Sotta–Chialza 36,71 km
08:58 WP 08 Zérubia–Martini 41,46 km
12:08 WP 09P Bisinao–Agosta plage 16,74 km
13:45   Siegerehrung (Ajaccio)  

Sonntag, 04.10.2015


Bilder Tag 3 (7)


Zusammenfassung

Finn-tastisch! Zweiter Asphalt-Sieg für Latvala.

 

Glückwunsch! Zweiter Asphalt-Sieg für Jari-Matti Latvala und auch sein zweiter Sieg bei der Rallye Frankreich nach 2014! So langsam hat der Finne den Dreh auf Asphalt raus. Sein Erfolgsrezept verriet er nach der Zieldurchfahrt auf Korsika. „Ich habe das ganze Wochenende nicht zu viel riskiert und freue mich riesig über diesen Sieg“, sagte der „Fliegende Finne“. „Dass ich zum zweiten Mal auf Asphalt und zum zweiten Mal in Frankreich gewonnen habe, fühlt sich einfach super an!“ Jari-Matti ist erst der zweite Finne, der auf Korsika gewann. Zuletzt siegte 1983 und 1984 Markku Alén. 

 

Latvalas ärgster Verfolger bei der Rallye auf Korsika war Ford-Fahrer Elfyn Evans. Der Brite drückte vor allem dem ersten Tag seinen Stempel auf. Starke Regenfälle und ein Sturm hatten die sonst so malerische Insel Korsika in eine Matschlandschaft verwandelt, im Verlauf des Wochenendes mussten zwei WPs komplett gestrichen werden. Evans fand sich auf der am Freitag noch feuchten Piste am besten zurecht, mit 18,7 Sekunden Vorsprung führte er nach Tag eins das Feld an. Jari-Matti lauerte hinter Hyundai-Pilot Kevin Abbring an dritter Stelle. Am Samstag preschte Latvala dann jedoch nach vorn, gewann die Wertungsprüfung am Vormittag und hing im übertragenen Sinne schon im Heck des Ford Fiesta von Evans, der weiterhin eine bärenstarke Leistung zeigte. Im Schlepptau auf Rang drei lag Andreas Mikkelsen, der nach anfänglichen Schwierigkeiten eine solide Leistung auf der französischen Mittelmeerinsel zeigte.

 

Am Samstagnachmittag schoss Latvala dann an Evans vorbei und lag vor den letzten drei WPs am Sonntag mit zwei Sekunden in Führung. Der letzte Tag verlief relativ spannungsfrei. Latvala spulte die letzten drei Stages routiniert runter. Nach WP7 betrug sein Vorsprung gegenüber Evans schon 17,6 Sekunden! Nach WP8 gar 32,7 Sekunden! Und nach der Powerstage, die er hinter Teamkollege Sébastien Ogier und Robert Kubica (Ford) auf Rang drei beendete, sogar sage und schreibe 43,1 Sekunden!

 

Latvala ließ vorne also nichts anbrennen. Evans brauchte sich am letzten Rallye-Tag nicht mehr nach vorne orientieren sondern musste auf den Volkswagen Piloten hinter sich achten. Mikkelsen machte Sekunde um Sekunde gut. Vor der Powerstage war er nur noch 9,8 Sekunden hinter Evans. Andreas gab auf der 16,74 Kilometer langen Stage noch einmal mächtig Gas. Am Ende reichte es aber nicht aus, um einen Volkswagen Doppelsieg perfekt zu machen. Ihm fehlten 3,2 Sekunden. „Wir haben unser Bestes gegeben und sind zufrieden mit unserer Leistung“, sagte Mikkelsen im Ziel. „Ein Platz auf dem Podium ist ein gutes Ergebnis.“

 

Über ein gutes Ergebnis beim Heimspiel durfte sich Sébastien Ogier hingegen nicht freuen. Das Wochenende fällt in die Kategorie „Erfahrungen sammeln, abhaken“. Am ersten Tag hatte Seb erst ein Schaltproblem, dann bekam er dazu noch eine Strafe weil er nach einem Reifenschaden an seinem Polo R WRC nicht zur Entwarnung den OK-Knopf gedrückt hatte. Seb gab nicht auf, mehr als Platz 15 war aber auf Korsika nicht drin. Immerhin: Der Powerstage-Sieg und damit drei Extra-Punkte gingen an den Franzosen. 

 

Bei den letzten beiden Rallyes in Spanien und Wales wird es jetzt um den inoffiziellen Titel des Vize-Weltmeisters gehen. Dort hat Latvala die besten Karten. Er liegt mit 160 Punkten auf Platz zwei, sein einziger Rivale ist Teamkollege Mikkelsen, der mit 126 Punkten 34 Zähler zurück liegt. Es bleibt also weiterhin spannend in der WRC.


Endstand nach 9 Wertungsprüfungen

Position Fahrer / Beifahrer Zeit / Abstand
1 J. Latvala / M. Anttila 2:39.46,7 Std.
2 E. Evans / D. Barritt +43,1 Sek.
3 A. Mikkelsen / O. Fløene +46,3 Sek.
4 K. Meeke / P. Nagle +1.33,4 Min.
5 H. Paddon / J. Kennard +1.53,6 Min.
6 M. Østberg / J. Andersson +1.59,8 Min.
7 D. Sordo / M. Marti +2.10,4 Min.
8 B. Bouffier / T. De la Haye +2.12,8 Min.
9 S. Sarrazin / J. Renucci +2.39,3 Min.
10 O. Tänak / R. Mõlder +3.43,0 Min.
...    
15 S. Ogier / J. Ingrassia +9.07,3 Min.

Stimmen aus dem Volkswagen Team

„Meinen Sieg widme ich Henri Toivonen.“

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1

„Zum Abschluss der Rallye hatten Julien und ich hier auf Korsika noch mal einen großartigen Tag im Polo. Die Bedingungen und die Streckenprofile waren heute sehr schön und spektakulär. Bei der Reifenwahl sind wir mit den vier weichen Reifen auf der zweiten Prüfung des Tages eine vielleicht zu riskante Strategie gefahren, insgesamt bin ich aber sehr zufrieden

mit dem Abschluss der Rallye. Dazu der Sieg in der Powerstage – ein versöhnliches Ende für uns bei dieser Rallye Frankreich. Nächstes Jahr werde ich alles dafür tun, dass die Tricolore nach den zwei finnischen Siegen wieder ganz oben weht. Diesmal: Glückwunsch an Jari-Matti und Miikka.“


Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2

„Mir fällt es schwer, das alles in Worte zu fassen. Es ist ein großartiges Gefühl hier auf Korsika zu gewinnen. Es waren wieder keine leichten Bedingungen heute, weil sich immer wieder trockene und feuchte Passagen abwechselten. Und mein Vorsprung auf Elfyn Evans war nicht gerade das, was man als komfortabel bezeichnet. Ich wollte trotzdem nicht zu viel riskieren und mit einer kontrollierten, coolen Fahrweise den Vorsprung ausbauen und ins Ziel bringen. Das ist mir ganz gut gelungen. Meinen Sieg widme ich meinem Idol Henri Toivonen. Auch deshalb ist es ein ganz besonderer Tag für mich.“


Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9

„Unterm Strich sind wir sehr zufrieden mit dem Verlauf der Rallye Frankreich. Platz drei ist ein gutes Ergebnis, obwohl wir am Ende noch einmal alles daran gesetzt haben, Elfyn Evans noch vom zweiten Rang zu verdrängen. Wir haben zwar stark aufgeholt, gereicht hat es aber nicht. Glückwunsch an Jari-Matti Latvala und Elfyn – sie haben jeweils eine starke Rallye gezeigt. Meine bin ich zu Beginn vielleicht etwas zu defensiv angegangen, aber ich tue mich immer noch schwer damit, beim Wechsel von Schotter auf Asphalt gleich den Schalter umzulegen. Daran kann ich und daran werde ich arbeiten. Aber der Samstag und Sonntag verliefen so, wie ich mir das vorgestellt hatte. Wir sind ein vernünftiges, aber immer noch schnelles Tempo gefahren. Mit meiner und Olas Leistung können wir also zufrieden sein. Klar bleibt Rang zwei in der WM nach wie vor das Ziel – aber da müssen wir im Vergleich zu unserem Teamkollegen Jari-Matti Latvala bei dem großen Abstand zaubern. Wir werden es auf jeden Fall versuchen.“

 

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor

„Was für eine nervenaufreibende Rallye Frankreich. Wirbelstürme, die schwierigsten Bedingungen seit Jahren und drei herausragend fahrende Volkswagen Piloten. Wir sind stolz auf diesen Sieg. Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila haben eine taktisch kluge Rallye abgeliefert, haben sich bei heftigen Wetterkapriolen zurückgehalten und dort attackiert, wo

es nötig war. Sie haben verdient gewonnen, Hut ab. Das gleiche gilt für Andreas Mikkelsen und Ola Fløene. Dass nur die alten und neuen Weltmeister in der Saison mehr Podiumsplätze erreicht haben als sie, sagt schon alles. Apropos Weltmeister: Leider hatten Sébastien Ogier und Julien Ingrassia bei ihrem Heimspiel hier auf Korsika mehrfach Pech, haben aber mit dem Gewinn der Powerstage gezeigt, dass sie immer noch hungrig auf Erfolg sind und bis zum Zielstrich nicht zurückstecken.“



Zahl der Rallye

245,35

Kilometer. Das war die kürzeste WM-Rallye aller Zeiten. Denn wegen Erdrutschen mussten die Veranstalter der

Rallye Frankreich zwei Wertungsprüfungen absagen – die beiden Durchgänge der „Casamozza–Ponte Leccia“ am Freitag und Samstag von je 43,69 Kilometern Länge. Damit verkürzte sich die Rallye auf Korsika auf 245,35 Prüfungskilometer. Bisher bildeten die Rallye Argentinien 2007 mit 248,90 und die Rallye Jordanien 2011 mit 259,56 Kilometern auf Zeit die kürzesten Wettbewerbe der Rallye-WM-Geschichte.


Tag 3 in Frankreich.


Samstag, 03.10.2015


Tag 2 der Rallye Frankreich. Das Video.


Bilder Tag 2 (9)


Tageszusammenfassung

Kurz und knackig.


Kurz ist sie, die Rallye Korsika. Der Schlammschlacht am Freitag fiel eine Wertungsprüfung zum Opfer, WP3 ging mit Verspätung über die Bühne. Das Feld wurde wild durcheinandergewirbelt, Elfyn Evans (Ford) und Kevin Abbring (Hyundai) lagen vorn, Jari-Matti Latvala im Polo R WRC auf Rang drei. Teamkollege Andreas Mikkelsen rangierte auf Platz sieben, Sébastien Ogier fiel mit einem Reifenschaden weit zurück.

 

Auch am Samstag musste erneut eine Wertungsprüfung abgesagt werden. Casamozza–Ponte Leccia war genau die Prüfung, die am Freitag schon nicht durchgeführt werden konnte. Dort ging auch einen Tag später nichts, obwohl die Sonne mittlerweile schien. Die Straßen waren durch die Regenfälle vom Vortag aber teilweise noch unpassierbar, an Rallyefahren war nicht zu denken. Die WRC-Asse gingen deshalb rund eine Stunde später frisch ans Werk. Der Rallye-Tag war somit von drei auf zwei Wertungsprüfungen zusammengeschrumpft.

 

Minder spannend war es jedoch nicht. Im Gegenteil. Für die Volkswagen Fahrer galt es, den Rückstand wettzumachen. Ogier ging wegen eines Getriebeproblems an seinem Polo R WRC am Vortag jetzt unter Rally2-Regeln an den Start. „Für mich geht es einzig und alleine darum, Erfahrungen zu sammeln“, sagte Ogier. Ganz anders sah es bei Latvala aus. Der „Fliegende Finne“ griff an.

 

Auf der morgendlichen Etappe ließ es Jari-Matti noch etwas langsam angehen. „Ich war vorsichtig, der Grip-Level war sehr unterschiedlich, das war nicht einfach“, sagte Latvala im Ziel. Trotzdem machte er 21 Sekunden auf Elfyn Evans gut und lag somit vor der letzten Stage des Tages praktisch im Windschatten des Briten. Der Sieg in der letzten Wertungsprüfung des Tages ging an Ogier. Latvala lag bis zur letzten Zwischenzeit vorn bis ein kleines Getriebeproblem auftrat. Er war aber dennoch schnell genug, um in der Gesamtwertung an Evans vorbeizuziehen. 3,7 Sekunden lag er vor ihm, in der Gesamtwertung ist er nun mit zwei Sekunden Vorsprung an der Spitze. Mikkelsen ist Dritter.

 

Am Sonntag stehen noch drei Wertungsprüfungen auf der Agenda, darunter die obligatorische Powerstage zum Abschluss. Vorausgesetzt es bleibt trocken…..


Stand nach 6 von 9 Wertungsprüfungen

Position Fahrer / Beifahrer Zeit / Abstand
1 J. Latvala / M. Anttila 1:42.24,8 Std.
2 E. Evans / D. Barritt +2,0 Sek.
3 A. Mikkelsen / O. Fløene +30,8 Sek.
4 K. Meeke / P. Nagle +53,6 Sek.
5 K. Abbring / S. Marshall +1.00,1 Min.
6 M. Østberg / J. Andersson +1.05,7 Min.
7 H. Paddon / J. Kennard +1.25,5 Min.
8 B. Bouffier / T. De la Haye +1.37,2 Min.
9 S. Sarrazin / J. Renucci +1.51,6 Min.
10 O. Tänak / R. Mõlder +1.53,9 Min.

Stimmen aus dem Volkswagen Team

„Habe einen guten Rhythmus für mich gefunden.“

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1
„Bei dieser ‚Tour de Corse‘ läuft es für Julien und mich leider nicht so gut wie bisher in der Saison. Nach dem Getriebetausch und der damit verbundenen Zehn-Minuten-Strafe sind die Chancen auf eine gute Platzierung natürlich dahin. Trotzdem versuchen wir das Beste aus der Situation zu machen und so viel Erfahrung und Prüfungskilometer wie möglich für nächstes Jahr zu sammeln. Heute Morgen waren die Bedingungen erneut extrem schwierig, vor allem im Mittelsektor war sehr viel Schlamm auf der Strecke. Dadurch war es noch etwas unberechenbarer als am Vortag. Die längste Prüfung der Rallye, die 48 Kilometer nach Col de Sorba, waren dagegen sehr schön. Optimale Verhältnisse und auch mit unserer Zeit war ich super zu frieden. Für morgen ist unser Ziel der Gewinn der Powerstage – das wird uns sicher noch mal motivieren.“

Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2

„Ich war sehr zufrieden mit der ersten Prüfung heute. Ich wusste, dass ich im Vergleich zu gestern mehr Risiko eingehen musste, um beim Kampf ums Podium ein Wörtchen mitzureden. Und das war schwieriger als gestern, weil es durch den Matsch auf der Strecke noch rutschiger war. Trotzdem habe ich attackiert, einen guten Rhythmus für mich gefunden und habe einiges an Zeit auf Elfyn Evans gutgemacht. Auch die Nachmittagsprüfung verlief gut für mich, obwohl ich leider nach Kilometer 15 Schwierigkeiten beim Schalten hatte. Dadurch habe ich etwas weniger Zeit gutgemacht als möglich gewesen wäre, aber ich gehe trotzdem als Führender in den letzten Tag. Da warten noch einmal knapp 100 Kilometer auf uns. Und und ich freue mich schon auf jeden einzelnen.“

 

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9

„Bei der Rallye Frankreich hier auf Korsika spricht man viel über das Wetter. Und heute war es – verglichen mit dem Wirbelsturm gestern – richtig gut. Doch die Bedingungen auf den Wertungsprüfungen hat der Umschwung nicht wirklich einfacher gemacht – im Gegenteil. Viel Schlamm lag auf der Strecke und viele Abschnitte fuhren sich wie auf Eis, fast wie bei der ‚Monte‘. In Anbetracht der steilen Abhänge am Rand der Route möchte man auf keinen Fall einen Fehler machen. Wir hatten heute zwei saubere Wertungsprüfungen und hatten keinerlei grobe Schnitzer drin. Dazu haben wir vier Positionen gutgemacht. Ich komme mit der Rallye, den Bedingungen und dem Polo jetzt wesentlich besser zurecht. Ich freue mich auf den Tag morgen, ein Podiumsplatz ist möglich. Und vielleicht kann ich mich ja noch um eine Position verbessern.“


Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor
„Die Rallye auf Korsika ist für die Fahrer und Beifahrer ein echt schwerer Brocken. Hut ab vor zwei starken Aufholjagden von Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila sowie Andreas Mikkelsen und Ola Fløene. Sie haben heute zurückgeschlagen und bis zum Zielstrich ist für beide morgen noch alles möglich. Dass wir bei der Rallye Frankreich dank ihnen auf den Plätzen eins und drei liegen, ist alles andere als selbstverständlich – die Bedingungen sind extrem anspruchsvoll und auch den Route-Note-Crews kommt eine entscheidende Rolle zu. Auch sie haben in den vergangenen zwei Tagen großartige Arbeit geleistet. Leider hatten Sébastien Ogier und Julien Ingrassia gestern nach dem Service noch einen Rückschlag zu verkraften. Wegen Schalt-Problemen musste ihr Getriebe gewechselt werden – und mit der damit verbundenen Zehn-Minuten-Strafe haben sie nun keine Chance mehr auf ein positives Resultat bei ihrer Heim-Rallye. Sie nutzen aber die Gelegenheit, ein paar Dinge für kommende Asphalt-Läufe zu testen. Alles in allem war der Samstag ein Tag, aus dem Volkswagen das Maximum herausgeholt hat.“


Tag 2 in Frankreich.


Freitag, 02.10.2015


Tag 1 der Rallye Frankreich. Das Video.


Bilder Tag 1 (9)


Tageszusammenfassung

Regenchaos auf Korsika – Latvala auf Platz 3.

 

360 Liter Regen sollen an einigen Stellen der Rallye Frankreich auf Korsika pro Quadratmeter gefallen sein. Wo gestern nicht einmal Bäche waren, tobten über Nacht reißende Fluten mit einer matschbraunen Soße aus Schlamm und Geröll. Straßen wurden unpassierbar, Autos schwammen wie bunte Bötchen davon und die ausgedehnten Wiesen rund um den Service-Park der „Tour de Corse“ verwandelten sich in gigantische Matschfelder. Die Rallye-Cracks des WRC-Zirkus sind einiges gewohnt, doch die Bedingungen zum Start des elften WRC-Laufs waren bislang die schwierigsten der aktuellen Saison.

Umso erstaunlicher, dass die erste Prüfung der Rallye Frankreich ohne nennenswerte Probleme über die Bühne ging, nach der sich Weltmeister Sébastien Ogier mit Robert Kubica (Ford) die Bestzeit teilte. Doch schon kurz danach musste die zweite Prüfung abgesagt werden, weil die vorgesehene Strecke nicht passierbar war. Special Stage 3 war damit die zweite und auch schon letzte Prüfung des ersten Rallye-Tages auf Korsika. Nachdem es angesichts grandioser Zwischenzeiten zunächst den Anschein hatte, als könnten die widrigen Bedingungen Ogier nichts anhaben, fing sich der Weltmeister einen schleichenden Plattfuß ein und musste seine Fahrt kurz unterbrechen, um den linken Hinterreifen zu wechseln. Auf die Strecke gespülte Steinbrocken hatten dem Pneu offenbar zugesetzt. Futsch, die Führung für Ogier. Stattdessen Platz zehn mit 1.13,2 Minuten Rückstand auf Elfyn Evans (Ford), der sich Platz eins sicherte.

Ogiers Teamkollege Jari-Matti Latvala ging die zweite Prüfung deutlich vorsichtiger an. „Wir wollten nichts riskieren“, sagte JML. Das zahlte sich für ihn in Form von Platz drei am Ende des ersten Tages aus. Nur 22,9 Sekunden trennen Latvala von der Spitze, nur 4,2 Sekunden vom Zweitplatzierten, Kevin Abbring (Hyundai). Volkswagens Nummer drei, Andreas Mikkelsen, kam ebenfalls sauber durch die Prüfung und beendete seinen Arbeitstag auf Platz sieben, bevor am Samstag die nächsten drei Prüfungen anstehen. Die Chancen, dass dann tatsächlich alle 128,58 geplanten Prüfungskilometer gefahren werden, stehen übrigens gut. 20 Grad und ein Mix aus Sonne und Wolken sagen die Wetterexperten voraus. Punkt neun Uhr Ortszeit geht das erste Auto auf die Strecke – mit Ogier am Steuer.


Stand nach 3 von 9 Wertungsprüfungen

Position Fahrer / Beifahrer Zeit / Abstand
1 E. Evans / D. Barritt +46.48,5 Min.
2 K. Abbring / S. Marshall +18,7 Sek.
3 J. Latvala / M. Anttila +22,9 Sek.
4 M. Østberg / J. Andersson +38,8 Sek.
5 R. Kubica / M. Szczepaniak +40,3 Sek.
6 S. Sarrazin / J. Renucci +43,1 Sek.
7 A. Mikkelsen / O. Fløene +44,5 Sek.
8 K. Meeke / P. Nagle +47,0 Sek.
9 B. Bouffier / T. De la Haye +1.04,8 Min.
10 S. Ogier / J. Ingrassia +1.13,2 Min.

Zahl des Tages

157

... Stundenkilometer. So viel Windgeschwindigkeit lieferte das Sturmtief, das in der Donnerstagnacht und am Freitag über Korsika zog und im Norden der Insel zudem für 361 Liter Niederschlag pro Quadratmeter sorgte. Der „Medicane“ – so nennt man diese über dem Mittelmeer aufziehenden Wirbelstürme von der Art eines Hurricanes – brachte neben reichlich Regen, schlammigen Serviceplätzen und durchgeweichten Schuhen für die Teams auch etwas Angenehmes mit sich. Am späten Vormittag zog das Auge des Sturmtiefs direkt über den Servicepark in Corte und brachte kurzzeitig Sonne mit.


Stimmen aus dem Volkswagen Team

„Hier kann noch einiges passieren.“


Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1
„Ein ereignisreicher Auftakt für uns bei diesen verrückten Bedingungen hier auf Korsika. Nach den sintflutartigen Regenfällen in der Nacht, lief die erste Prüfung am Morgen ganz gut für Julien und mich. Natürlich war es immer noch sehr nass und rutschig, aber nicht ganz so dramatisch wie befürchtet. Insgesamt sind die Bedingungen jetzt aber ein bisschen wie beim Roulette: Alles kann passieren. Leider hatten wir bei der 36 Kilometer langen Nachmittagsrunde kein Glück. Nach zwei Dritteln der Prüfung haben wir uns einen schleichenden Plattfuß eingefangen. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wo und wann genau, denn wir haben nichts getroffen. Ich habe noch fünf Kilometer lang versucht, weiterzufahren, aber der Reifenwechsel war nicht mehr zu vermeiden. So haben wir natürlich mehr als eineinhalb Minuten eingebüßt. Aber auch wenn der Sieg erst einmal außer Reichweite ist, ist noch nichts verloren. Bei dieser ‚Tour de Corse‘ kann noch einiges passieren.“

Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2
„Mit der ersten Prüfung war ich sehr zufrieden, denn es war ein sauberer Lauf und ich habe nicht viel Zeit auf meinen Teamkollegen Sébastien Ogier eingebüßt. Die zweite Wertungsprüfung des Tages war allerdings eine andere Geschichte. Ich bin sie sehr vorsichtig angegangen. Aber das habe ich bewusst getan, denn ich wollte auf jeden Fall ohne Probleme durchkommen. Durch den starken Regen war es extrem rutschig und es gab eine Menge Aquaplaning. Der ganze Tag erinnerte heute stark an die Rallye Monte Carlo. Dazu fuhr die Gefahr eines Reifenschadens permanent mit. Alles in allem war es in Anbetracht der tückischen Bedingungen ein guter Tag für uns. Wenn wir es jetzt noch trocken ins Hotel schaffen, bin ich zufrieden.“

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9
„Mir fällt es noch sehr schwer, mich an das Fahren auf Asphalt zu gewöhnen – gerade, weil die Bedingungen alles andere als typisch und leicht sind. Mir fehlt einfach das nötige Vertrauen, um anzugreifen. Wir brauchen wohl noch ein paar Kilometer, um das Tempo unserer Teamkollegen mitgehen zu können. Deshalb war es von Beginn an unserer Plan, kein unnötiges Risiko einzugehen und ein sicheres Tempo zu wählen. Wir arbeiten daran, Schritt für Schritt den Rhythmus zu finden. Bei dieser Rallye ist – wie wir heute gesehen haben – noch alles möglich.“


Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor
„Nur zwei Wertungsprüfungen – trotzdem hat die Rallye Frankreich ausreichend Geschichten produziert. Man braucht bei diesen extrem anspruchsvollen Bedingungen einfach auch eine gute Portion Glück, um vorn zu sein. Sébastien Ogier hatte dieses Glück heute nicht – obwohl er mit Abstand der schnellste Fahrer war und keinen Fahrfehler hatte. Ein Stein hat die Lauffläche seines Reifens durchstochen. Jari-Matti Latvala und Andreas Mikkelsen sind dagegen ohne größere Probleme durchgekommen, haben mit Vorsicht etwas Zeitverlust in Kauf genommen und haben noch alle Chancen auf Podiumsresultate, womöglich sogar den Sieg. Der bleibt das Ziel.“


Tag 1 in Frankreich.


Donnerstag, 01.10.2015


Der Eröffnungstag der Rallye Frankreich. Das Video.


Bilder Eröffnungstag (15)


Tageszusammenfassung

Küsschen links, Küsschen rechts und Vollgas.

Mütter wissen in der Regel, was ihren Kindern gut tut. So ließ es sich Mama Ogier kurz vor dem Start der Rallye Finnland nicht nehmen, ihrem Sprössling namens Sébastien noch ein Küsschen links und ein Küsschen rechts auf die Wange zu drücken, bevor dieser in seinen Polo R WRC kletterte und die 2,27 Kilometer kurze Auftaktprüfung in Angriff nahm. Und siehe da, Mamas Bussis zeigten wie erwartet ihre Wirkung. Nach 58 Fahrern, die vor ihm gestartet waren, legte Ogier-Junior mit Vollgas die Prüfungsbestzeit hin und führt damit die Rallye Finnland nach dem Eröffnungstag an.

 

Kris Meeke (Citroen), der lang vorn lag, musste mit Platz zwei Vorlieb nehmen, während Andreas Mikkelsen im zweiten Polo R WRC nach einem sauberen Durchgang Platz drei belegte. Nur 0,8 Sekunden betrug der Rückstand auf Ogier. Finnlands Lokalheld und Vorjahresssieger für Volkswagen Jari-Matti Latvala beendete den kurzen Ritt über die erste Finnland-Prüfung auf dem fünften Platz. Doch auch von dort aus sind es nur 1,6 Sekunden Rückstand zur Spitze. Der achte WRC-Saisonlauf ist damit eröffnet und kann am Freitag erst so richtig beginnen, wenn 158,43 gezeitete Kilometer auf dem Programm stehen.

 

Sébastien Ogier geht dann als WM-Führender als Erster auf die Strecke. Und die Konkurrenz sei gewarnt: Mama Ogier will dann auch wieder Küsschen verteilen.

 

Ergebnis nach WP 1:

1. Sébastien Ogier (Polo R WRC #1) 1.48,6 Min.

2. Kris Meeke (Citroën) 1.49,2 Min.

3. Andreas Mikkelsen (Polo R WRC #9) 1.49,4 Min.

4. Robert Kubica (Ford) 1.49,7 Min.
5. Jari-Matti Latvala (Polo R WRC #2) 1.50,2 Min.


Zahl des Tages

86,62

 

In Polen ist Mumm gefragt. Hier zählen drei Sachen: Tempo, Tempo und Tempo. Und selbst wenn es zur Zuschauerprüfung über den Mickey-Maus-Kurs von Mikolajki geht, ist Polen die flotteste Rallye des Jahres. 86,62 Stundenkilometer im Mittel wurden für Sébastien Ogier auf dem 2,5 Kilometer kurzen Kurs registriert – für eine „Super Special Stage“ das schnellste im Jahr 2015. Bisher war die zehnte WP bei der Rallye Mexiko unter den Mickey Mäusen die schnellste – mit 84,93 Durchschnittstempo. Aber keine Sorge: Ab Freitag wird noch mehr Gas gegeben. Vollgas-Anteil 2014: etwa zwei Drittel der Distanz. Prognose 2015: Da geht noch was.


Stimmen aus dem Volkswagen Team

„Es war sehr rutschig.“

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1
„Mit Korsika verbinde ich einige schöne Erinnerungen am Anfang meiner Rallye-Zeit. 2007 bin ich hier mit dem Vorausfahrzeug gefahren, 2008 habe ich mir auf der Insel den Junioren-WM-Titel gesichert. Das hat Julien und mir die Tür zur Topklasse WRC geöffnet und jetzt als Weltmeister wiederzukommen, ist ein ganz spezielles Gefühl. Allerdings wird es eine extrem schwierige Rallye, besonders angesichts der Wettervorhersage. Wir erwarten am Freitag starke Regenfälle, mit viel stehendem Wasser auf dem Asphalt. Noch mehr als sonst wird es darauf ankommen, sich keine Fehler zu erlauben. Denn die ‚Tour de Corse‘ verzeiht nichts. Wenn man hier nicht auf der Linie bleibt, kann die Rallye sehr schnell vorbei sein. Der Shakedown lief gut. Wir haben mehr als sonst verschiedene Set-up-Varianten ausprobiert, weil wir vergangene Woche nicht testen konnten.“

Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2
„Wir haben die Zeit, die uns im Shakedown zur Verfügung steht, voll ausgeschöpft und dabei verschiedene Abstimmungen probiert. Es war sehr rutschig auf dem nassen Asphalt – ganz anders als bei unserem Test, als wir strahlenden Sonnenschein hatten. Mit dem Ergebnis bin ich am Ende zufrieden. Es werden sehr wechselhafte Bedingungen über das gesamte Wochenende erwartet, und man muss versuchen sich an seinen Rhythmus heranzutasten. Wir werden nicht von Anfang an attackieren, das Risiko eines folgenschweren Fehlers ist einfach zu groß. Aber natürlich werden wir unser Bestes geben.“

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9
„Die Rallye Frankreich hier auf Korsika ist für den Polo R WRC ein komplett neues Event. Und obwohl ich die Rallye schon zweimal in der WRC und zweimal in der IRC bestritten habe, beläuft sich mein Erfahrungsschatz auf rund zehn Prüfungskilometer, die ich im Vergleich zu denen am kommenden Wochenende seinerzeit in entgegengesetzter Richtung gefahren bin. Dazu kommt das Wetter, für das keine besonders gute Prognose vorliegt. Im Shakedown ging es also darum, nach dem Wechsel von Schotter in Australien auf den Asphalt von Korsika ein gutes Gefühl für die Fahrweise und ein gutes Set-up für den Polo zu finden. Ich denke, das ist uns gelungen. Es steht eine sehr anstrengende Rallye vor uns – mit Kurven, Kurven, Kurven und eigentlich keinen Geraden dazwischen. Sie wird uns kaum Zeit zur Erholung bieten. Wir sind darauf vorbereitet.“

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor
„Wir stehen vor einer herausfordernden Rallye Frankreich. Hier auf Korsika erwarten die Wetterexperten viel und ausdauernden Regen. Dem müssen sich unsere Fahrer, aber auch das gesamte Team mit geschärften Sinnen stellen. Im Shakedown haben sich unsere Fahrer an die regennassen Strecken und an den entsprechend niedrigen Grip gewöhnt. Wir haben viele Abstimmungsvarianten getestet – ab morgen werden wir sehen, ob wir damit richtigliegen. Unser Ziel bleibt: Wir wollen nach den frühen Titelgewinnen in Australien weiter positive Ergebnisse für Volkswagen einfahren – am liebsten natürlich mit einem Sieg. Und dafür kommen alle drei unserer Fahrer in Frage. Doch bei dieser Rallye, speziell bei diesen Bedingungen, ist alles möglich.“


Shakedown-Bericht

Die Routine vor dem Sturm.

 

Die Sinne schärfen für eine wahre Herausforderung: Die Volkswagen Piloten haben sich im Shakedown zur Rallye Frankreich auf die zu erwartenden tückischen Bedingungen eingestellt. Beim „Freien Training“ vor dem elften Saisonlauf der FIA Rallye-Weltmeisterschaft (WRC) absolvierten Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (FIN/FIN) die 3,88 Kilometer kurze Prüfung mit der drittbesten Zeit. Ihre Volkswagen Teamkollegen, die alten und neuen Weltmeister* Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (F/F) sowie Andreas Mikkelsen/Ola Fløene (N/N), beendeten den Shakedown auf den Plätzen vier und neun. Der lieferte den Teilnehmern einen ersten Vorgeschmack auf die kommenden Tage. 

 

Die Wetterexperten erwarten für den Donnerstagabend und den Rallye-Freitag ergiebige Regenfälle mit bis zu 300 Litern Niederschlag pro Quadratmeter. Und womöglich einen „Medicane“ – ein seltenes Wetterphänomen von der Art eines Hurricanes, das über dem Mittelmeer entsteht. Bereits der Shakedown wurde auf regennasser Fahrbahn ausgetragen, allerdings bei ständig wechselndem Grip-Niveau. Alle Volkswagen Duos absolvierten fünf Durchgänge, um sich sorgfältig auf die Rallye auf Korsika vorzubereiten.

 

Die Rallye Frankreich startet am Freitag mit den ersten drei von nur neun, dafür durchschnittlich rund 37 Kilometer langen Wertungsprüfungen. Am Donnerstagabend steht in Ajaccio, im Südwesten der Insel, zunächst der zeremonielle Start der traditionsreichen Veranstaltung auf dem Programm.

 

* Vorbehaltlich der Bestätigung durch die FIA.

 

 

 

Ergebnis Shakedown: 

 

1. Robert Kubica (Ford) 2.19,9 Min.

2. Kris Meeke (Citroën) 2.19,8 Min.

3. Jari-Matti Latvala (Polo R WRC #2) 2.20,3 Min.

4. Sébastien Ogier (Polo R WRC #1) 2.20,6 Min.

5. Dani Sordo (Hyundai) 2.21,1 Min.

6. Mads Østberg (Citroën) 2.21,4 Min.

7. Kevin Abbring (Hyundai) 2.21,4 Min.

8. Thierry Neuville (Hyundai) 2.21,9 Min.

9. Andreas Mikkelsen (Polo R WRC #9) 2.21,9 Min.

10. Elfyn Evans (Ford) 2.22,5 Min.


Eröffnungstag in Spanien.


Samstag, 26.09.2015


Salut Corse!

Die elfte Rallye der Saison: Die Rallye Frankreich. Offizieller Name: Tour de Corse. Der WRC-Lauf wird auf der wunderschönen Insel Korsika ausgetragen. Das Eiland im Mittelmeer, Heimat des berühmten Napoleon Bonaparte, wird umgangssprachlich die „wilde Schönheit“ genannt. Ein wilder Ritt wird es auch für die WRC-Piloten. Jari-Matti Latvala sagt über die Rallye: „Wenn Du auf Korsika eine 100 Meter lange Gerade findest, dann bist Du auf der falschen Insel.“ Sie wird nicht umsonst „die Rallye der 10.000 Kurven“ genannt. Insgesamt gibt es dieses Jahr nur neun Wertungsprüfungen. Die haben es jedoch in sich. Die durchschnittliche Kilometerzahl der WPs liegt bei 37.

 

Bis zum Vorjahr wurde die Rallye Frankreich noch auf dem Festland, genauer gesagt rund um Straßburg ausgetragen. Das war für Volkswagen ein äußerst erfolgreiches Pflaster. Der Polo R WRC gewann 2013 und 2014 die Rallye. 2013 siegten Sébastien Ogier/Julien Ingrassia bei ihrem Heimspiel, im letzten Jahr triumphierte das finnische Duo Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila. 

 

Bei der letzten Rallye in Australien machte Volkswagen bekanntlich alle drei Titel (Fahrer-, Beifahrer- und Herstellermeisterschaft) klar. Zum dritten Mal in Folge. Auf Korsika wird es aber kein pures Schaulaufen geben. Denn nach dem Sieg bei der Rallye Deutschland will Volkswagen in Frankreich den zweiten Asphalt-Erfolg in dieser Saison holen. Und natürlich den ersten Sieg auf Korsika. Außerdem geht es noch um den inoffiziellen Titel des Vize-Weltmeisters. 

 

Maximal 84 Punkte sind in der Fahrer- und Beifahrer-Wertung für die Teilnehmer noch zu holen. Exakt 23 Punkte unterscheidet im Kampf um den Vizetitel derzeit die Volkswagen Duos Latvala/Anttila und Mikkelsen/Fløene. Auch wenn auf Korsika noch keine Entscheidung im Rennen um Platz zwei der Gesamtwertung fallen kann, geht es darum, die Weichen auf Erfolg zu stellen. Die beiden Duos, die 2014 die Rallye Frankreich für Volkswagen mit einem Doppelsieg beendeten, haben zudem Konkurrenz aus den Lagern von Citroën und Hyundai. Mads Østberg/Jonas Andersson (N/S, Citroën) haben mit 44 Punkten Rückstand auf Platz zwei ebenso Chancen auf den „Vizetitel“ wie Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (B/B, Hyundai) mit 48 Zählern Rückstand.


Stimmen aus dem Volkswagen Team

„Die Straßen können verdammt eng werden.“

Sébastien Ogier, Volkswagen Polo R WRC #1
„Ich fühle mich im Moment einfach großartig und bin mehr als zufrieden, weil wir so früh in der Saison bereits all unsere Ziele erreicht haben. Das habe ich alles aber immer noch gar nicht richtig realisiert. Unser Erfolg bedeutet jedoch nicht, dass wir den Rest der Saison entspannt ausklingen lassen. Ganz klar, der Druck ist jetzt weg, doch mein Hunger nach weiteren Siegen wurde dadurch nicht gestillt. Mit der Rallye Frankreich steht für mich außerdem eine ganz besondere Rallye an. Ich liebe Korsika und habe dort schon tolle Urlaube verbracht. 2008 bin ich dort als Förderpilot des französischen Motorsport-Verbands FFSA in der Junioren-WM an den Start gegangen und nach sieben Jahren kehre ich nun mit einem World Rally Car nach Korsika zurück. Klar, dass ich jetzt mit Volkswagen dort gewinnen möchte. Schließlich ist die Rallye auf Korsika eine der geschichtsträchtigsten Rallyes überhaupt. Allerdings stellen die langen Wertungsprüfungen sowohl für mich als auch für die Reifen eine sehr große Herausforderung dar. Die Straßen können verdammt eng werden. Deshalb wird die ‚Recce‘ wieder einmal eine wichtige Rolle spielen.“

Jari-Matti Latvala, Volkswagen Polo R WRC #2
„Den Titel in der Hersteller-Wertung so früh in der Saison zu gewinnen, war einfach genial. Das ist eine Bestätigung für das gesamte Team. Trotzdem muss ich sagen, dass ich in diesem Jahr gern die Fahrer-Weltmeisterschaft gewonnen hätte. Das war mein Ziel und das habe ich verfehlt. Die Saison ist aber noch lange nicht vorbei und ich möchte die kommenden drei Rallyes gewinnen. Schließlich legen wir mit einem erfolgreichen Saisonabschluss einen Grundstein für die nächste Saison. Dabei sind Kontinuität und Tempo zwei Schlüsselfaktoren. Ich verbinde mit der Rallye Korsika viel Positives und habe dort von 2004 bis 2008 wichtige Erfahrungen gesammelt. Eines liebe ich besonders an der Rallye auf Korsika: Der Asphalt bietet einen extrem guten Grip, aber man darf die hügeligen Kurven niemals schneiden und es gibt kaum eine Gerade. Wenn du auf Korsika eine 100 Meter lange Gerade findest, dann bist du auf der falschen Insel. Nach dem ganzen Schmutz und Staub in Australien freue ich mich nun auf eine sehr saubere Asphalt-Rallye.“

Andreas Mikkelsen, Volkswagen Polo R WRC #9

„Ich fahre an der Spitze mit und spüre, dass ich mit meinen Teamkollegen mithalten kann. Ich habe immer gesagt, dass ich mich in dieser Saison verbessern möchte. Das bedeutet, dass ich in der Fahrer-Wertung noch einen Platz nach oben klettern muss. Ein Podiumsplatz ist daher auch mein Ziel für die Rallye Frankreich, die dieses Jahr nach langer Zeit wieder auf Korsika ausgetragen wird. Die Insel kenne ich sehr gut, weil ich dort schon vier Mal an den Start gegangen bin – zweimal in der Rallye-WM und zweimal in der IRC. Ich muss zugeben, dass ich die Rallye noch nie fehlerfrei gemeistert habe. Die Rallye Korsika verzeiht keine Fehler. Es gibt sehr knifflige Kurven, äußerst enge Straßen und lange Wertungsprüfungen, auf denen man schnell seine Reifen beschädigt. Auf Korsika fahren wir nur zwei Wertungsprüfungen doppelt, sodass man bei der ‚Recce‘ sehr aufmerksam sein und auf den Punkt abliefern muss. Im Vergleich zu anderen Rallyes gibt es auf Korsika keine Geraden zum Ausruhen. Wenn man dann nicht hundertprozentig konzentriert ist, kann man die Rallye vergessen.“

Jost Capito, Volkswagen Motorsport-Direktor
„Bei der Rallye Frankreich auf Korsika kommen die Weltmeister nach Hause. Sébastien Ogier und Julien Ingrassia feiern hier als alte und neue Champions ihr WM-Heimspiel. Was das bedeutet, ist nach dem bisherigen Saisonverlauf sonnenklar: Sie wollen gewinnen – wie überall – und zeigen, was sie draufhaben. Jari-Matti Latvala und Miikka Anttila sowie Andreas Mikkelsen und Ola Fløene haben als 2014er-Doppelsieger große Ambitionen und kämpfen um den ‚Vizetitel‘. Aber auch unsere Gegner von Hyundai, M-Sport Ford und Citroën wollen hier mit aller Macht siegen. Bei dem einzigartigen Zeitplan mit den sehr langen Wertungsprüfungen ist das eine höchst interessante Mischung.“


Hintergrund

Wussten Sie, dass …

 

... sich Ogier bei der Rallye Frankreich bereits 1961 und 1963 in die Siegerlisten eintrug? Allerdings handelte es sich nicht um den dreimaligen Weltmeister Sébastien, sondern um Jean-Claude Ogier, der seinerzeit als Beifahrer an der Seite von René Trautmann die „Tour de Corse“ gewann. Übrigens: Jean-Claude und Sébastien sind weder verwandt noch verschwägert.

... 1956 Gilberte Thirion/Nadège Ferrier (B/CH) die ersten Gewinner der „Tour de Corse“ waren? Damals zählte die Rallye auf Korsika zu den wichtigsten nationalen Rallyes.

... die Rallye Frankreich auf Korsika von 1973 bis 2008 zum Rallye-WM-Kalender zählte? 1996 zählte sie allerdings wegen des Rotationssystems der Rallye-WM nur zur FIA 2-Liter-WM für Hersteller.

... Volkswagen Teammitglied Luís Moya im Jahr 1991 die Rallye Frankreich als Beifahrer von Carlos Sainz gewann und damit Geschichte schrieb? Sainz/Moya waren das erste spanische Duo, das je in Frankreich gewann.

... die Rallye Frankreich ohnehin eine äußerste französische Angelegenheit ist? Bei 39 Rallyes innerhalb der Rallye-WM gingen 29 Siege an Franzosen.

… Serienweltmeister Sébastien Loeb die Rallye Frankreich sechs Mal – allesamt mit Citroën – gewann? 2010 und 2012 im Elsass sowie 2005 bis 2008 auf Korsika.

… der andere Sébastien – Volkswagen Pilot Ogier – ebenfalls zweimal die Rallye Frankreich im Elsass gewann? 2011 mit Citroën und 2013 mit Volkswagen.


Zahl der Rallye

05:01 Stunden

Fünf Stunden und eine Minute – so wenig Zeit vergeht bei der Rallye Frankreich auf Korsika an den drei Rallye-Tagen durchschnittlich zwischen dem Start der ersten und der letzten Wertungsprüfung. Was die reine Action angeht, ist das der kompakteste Zeitplan der Saison. Zum Vergleich: Die vergangenen beiden Rallyes in Deutschland und Australien waren mit durchschnittlich acht Stunden und 34 Minuten bzw. sechs Stunden und 41 Minuten deutlich länger. Hinzu kommen allerdings noch die Zeiten für Verbindungsetappen und Services.