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RALLYE ITALIEN.

Große Momente: Von Donnerkeilen, starken Frauen und verhängnisvollen Fehlern.

RALLYE ITALIEN

Die „Rallye d’Italia“ hat ihre Wurzeln im Kurort Sanremo. An der ligurischen Küste, gerade einmal 20 Kilometer von der französischen Grenze entfernt, gab es 1928 den ersten Versuch, eine Kopie der berühmten Rallye Monte Carlo zu kreieren. Eine internationale Bedeutung erlangte die Veranstaltung aber erst nach dem Krieg, bis 1967 als „Rallye dei Fiori“ (Rallye der Blumen) und später als „Rallye Sanremo“. Viele Jahre wurde die Veranstaltung als Mischrallye mit Schotter- und Asphaltprüfungen ausgetragen, ab 1997 beschränkten sich die Organisatoren auf die Asphaltstraßen in den Bergen oberhalb von Sanremo. 2004 zog der italienische WM-Lauf nach Sardinien um, wurde in „Rallye d’Italia Sardegna“ umbenannt und zu einer reinen Schotterrallye.

Intro

1974

Der Stratos kam, sah

und siegte.

Bei der Rallye Sanremo 1974 feierte ein neues Rallyeauto sein Debüt: der Stratos. Dieses Fahrzeug entstand nur aus einem einzigen Grund, es sollte Lancia den anvisierten Weltmeisterschaftstitel einbringen. Die Produktionszahl von 400 Exemplaren wurde nur erreicht, um die Zulassung in der Gruppe 4 zu erhalten. Der Stratos war revolutionär: Im Cockpit war gerade einmal Platz für zwei Personen plus Helm. Der Motor, ein V6-Aggregat von Ferrari, saß wie bei einem Rennwagen zwischen Insassen und Hinterachse. In Sanremo erfüllte der „Donnerkeil“, wie das Stratos liebevoll genannt wurde, auf Anhieb die Erwartungen seiner Schöpfer und siegte. Dank des Stratos wurde Lancia in der 7oer Jahren drei Mal in Folge Markenweltmeister.

1974

1981

Ladies First.

Bei der Rallye Sanremo 1981 schrieben Michèle Mouton und Beifahrer Fabrizia Pons Rallyegeschichte: Sie gewannen als erstes Damenteam einen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft. Im Audi Quattro setzten sich Mouton/Pons mit über drei Minuten Vorsprung gegen die gesamte männliche Konkurrenz durch. 1982 ließen sie diesem Erfolg drei weitere folgen und kämpften bis zum vorletzten Lauf um den Weltmeistertitel. Wegen eines Unfalls an der Elfenbeinküste mussten sie sich aber mit dem Vizetitel begnügen. Bis heute ist es übrigens keiner anderen Frau gelungen, eine WM-Rallye zu gewinnen.

1981

1986

Chaos nach Peugeot-

Disqualifikation.

Zu Beginn war die Rallye Sanremo 1986 noch so, wie man es sich im Vorfeld erhofft hatte: ein gigantisches Duell zwischen vier Peugeot 205 T16 E2 und drei Lancia Delta S4. Am Ende der dritten Etappe wurden jedoch die verbliebenen Peugeot wegen illegaler Leitbleche am Unterbodenschutz disqualifiziert, eine umstrittene Entscheidung. Zudem wurde dem Team die weitere Teilnahme auf Bewährung, sonst eine übliche Vorgehensweise, verweigert. Lancia erzielte einen Dreifachsieg und Peugeot zog vor Gericht. Elf Tage nach dem Saisonfinale in Großbritannien wurden die Ergebnisse des italienischen WM-Laufs schließlich annulliert. Markku Alén bekam den WM-Titel abgenommen und Juha Kankkunen wurde zum Weltmeister 1986 erklärt.

1986

1992

Arrivederci Lancia.

Seit 1987 hatte der Lancia Delta die Rallye-Weltmeisterschaft dominiert, 1992 stand bereits vor der Rallye Sanremo fest, dass Lancia seinen sechsten Herstellertitel gewinnen würde. Allerdings zeichnete sich auch schon ab, dass sich die Delta-Ära dem Ende zuneigen würde, denn die Italiener zogen sich zum Jahresende werksseitig aus der Weltmeisterschaft zurück. Die Sanremo 1992 wurde also zur letzten Gala vor heimischem Publikum, die kaum besser hätte enden können: mit einem Lancia-Doppelsieg angeführt von Lokalmatador Andrea Aghini.

1992

2009

Taktikfehler bei Ford.

Die Rallye Italien 2009 war ein klassischer Fall von „hinterher ist man immer schlauer“. Während sich die beiden Citroën-Piloten Sébastien Loeb und Dani Sordo durch eine Reihe unglücklicher Umstände früh aus dem Rennen um den Sieg verabschiedeten, machten sich die Ford-Teamkollegen Jari-Matti Latvala und Mikko Hirvonen an der Spitze des Feldes breit und holten einen verdienten Doppelsieg. Dennoch erinnert sich Ford-Teamchef Malcolm Wilson vermutlich nicht allzu gerne an diesen Triumph. Hätte der Brite am letzten Tag eine Stallorder ausgegeben und Hirvonen an Latvala vorbeiziehen lassen, dann hätte Hirvonen möglicherweise den WM-Titel gewonnen. Am Ende fehlte dem Finnen ein Punkt auf Loeb – und in Sardinien wären durch die Stallorder zwei Punkte mehr drin gewesen.

2009

2013

Eine Vorstellung nach Maß.

Besser hätte es nicht laufen können für Sébastien Ogier: Der Volkswagen Pilot holte in Italien nicht nur einen souveränen Sieg, sondern auch auf acht von 16 gefahrenen Wertungsprüfungen die Bestzeit – eine fantastische Leistung. Der Zweitplatzierte Thierry Neuville (Ford) hatte über eine Minute Rückstand. Ogiers Teamkollege Jari-Matti Latvala hatte gleich in der ersten Wertungsprüfung einen Reifenschaden zu beklagen und dadurch bereits früh alle Siegchancen eingebüßt, kämpfte sich aber mit einer starken Aufholjagd auf Platz drei vor.

2013