Erst spuckt die Rallye Spanien jede Menge Staub – dann verlangt sie einen blitzsauberen Fahrstil.
Die Spanier haben die Vielfalt gemischter Wertungsprüfungen auf Schotter und Asphalt in die Weltmeisterschaft zurückgebracht. Ein Tag Schotter, zwei Tage Asphalt lautet das Erfolgsrezept der Iberer, die sich auch viele Jahre nach den WM-Titeln durch Carlos Sainz noch genauso für diesen Sport begeistern.

Stress im Freizeitpark.
Der erste Abend bedeutet für die Mechaniker Stress pur: Sie haben dann nur 85 Minuten Zeit, um das komplette Fahrzeug von Schotter auf Asphalt umzustellen. In dieser Zeit werden unter anderem Federn und Dämpfer getauscht, die Fahrhöhe angepasst und ein dünnerer Unterbodenschutz montiert.
Der Schauplatz dieses Ereignisses könnte kaum unpassender sein: Es ist ein Freizeitpark im beliebten Touristenort Salou bei Tarragona, der im Sommer adrenalinsüchtige Badeurlauber aus der ganzen Welt anlockt und der als Servicepark bei der Rallye Spanien dient.
Wohin des Weges, Pilot?
Die Wertungsprüfungen werden im Hinterland der sonnenverwöhnten Costa Daurada ausgetragen. Die im Westen gelegenen Schotterstrecken erwiesen sich in den vergangenen Jahren wegen der starken Staubentwicklung als tückisch. Besonders in der Dunkelheit und in den Tälern der Hügellandschaft hing der aufgewirbelte Staub oft minutenlang in der Luft und erschwerte den Fahrern das Leben. Die Startposition ist also auch hier entscheidend.
Saubere Arbeit.
Ganz anders sieht es am zweiten und dritten Tag aus. Auf den breiten, ebenen Asphaltstraßen spielt die Startposition keine Rolle. Anders als in Deutschland oder Frankreich schleudern die Autos hier wenig Dreck auf die Fahrbahn. Die Folge ist ein berechenbares Gripniveau und ein sauberer Fahrstil, der eine gewisse Ähnlichkeit mit der Millimeterarbeit auf der Rundstrecke hat. Driftende World Rally Cars sieht man auf den zweispurigen Landstraßen nur in Ausnahmefällen oder in engen Haarnadeln wie dem beliebten Zuschauerpunkt „El Molar“ auf der WP El Priorat.
Auf den breiten Asphaltstraßen der WP Coll de la Teixeta sind Rennfahrerqualitäten gefragt.
Der Kampf mit den Kurven:
WP El Priorat (45,97 km).
„El Priorat“ steht für ein nie enden wollendes Kurvengeschlängel in den katalanischen Bergen. Auf den knapp 46 Asphalt-Kilometern geht es selten lange geradeaus, die Piloten haben also alle Hände voll zu tun. Bei wenigen anderen Prüfungen in der Weltmeisterschaft ist eine gute Physis so entscheidend wie hier. „El Priorat“ ist aber auch für die Fans eine Reise wert, insbesondere die spektakuläre Spitzkehre von „El Molar“ ist ein wahrer Publikumsmagnet.
Schnell aus dem Staub machen:
WP Pesells (25,74 km).
Staub schlucken lautet die Devise für die WRC-Asse auf der WP „Pesells“. Die Schotterprüfung führt größtenteils durch ein Tal, in dem die umliegenden Berge als Windabweiser dienen. Wenn es trocken ist und die ersten Autos durchgefahren sind, steht der Staub regelrecht in der Luft. „Pesells“ bringt die Teilnehmer übrigens bis an den äußersten Rand Kataloniens, die Strecke verläuft stellenweise entlang des Riu i Algars, der die Grenze zu Aragonien markiert.
Anhalten, aussteigen, Rallye:
WP Coll de la Teixeta (4,32 km).
Diese Sprintprüfung von nur 4,32 Kilometern bildet häufig den fulminanten Schlusspunkt der Rallye Spanien, sie findet größtenteils auf breiten Asphaltstraßen statt. Hier sind Rennfahrerqualitäten und eine saubere Linie gefragt. Die küstennahe Lage und die sehr gute Anbindung machen den Kreisverkehr kurz vor dem Ziel zu einem beliebten Zuschauerpunkt. Die Fans stellen sich einfach auf der Hauptstraße N420 auf und können so die letzte Kurve der Rallye aus der Vogelperspektive verfolgen. Von dem einen oder anderen Piloten werden sie sogar mit einer Extrarunde im Kreisverkehr belohnt.
Adresse Rallyezentrum:
Port Aventura Resort – Convention Centre, Av. Alcalde Pere Molas km. 2, 43480 Vila-seca – Salou, Spanien
Adresse Servicepark:
Port Aventura Resort – Convention Centre, Av. Alcalde Pere Molas km. 2, 43480 Vila-seca – Salou, Spanien
Veranstalter:
RACC, Motorsport Area – RallyRACC Organisation, Avenida Diagonal, 687, 08028 Barcelona, Spanien, Tel: +34 93 495 50 34, Fax: +34 93 448 23 38